Charles Smarr von der Northwestern University in Chicago und seine Kollegen könnten nun eine sehr viel schnellere und langanhaltendere “Kur” für Asthma gefunden haben: Nanopartikel. Für ihre Studie erzeugten sie zunächst spezielle, rund 500 Nanometer große, hohle Nanokügelchen aus dem Biopolymer Polylactid-co-Glycolid (PLGA). Dieses Material auf Milchsäurebasis kann im menschlichen Körper leicht abgebaut werden. In diesen Nanokugeln “versteckten” die Forscher ein Allergen, im konkreten Versuch handelte es sich um ein in Eiern enthaltenes Protein. Das in den Nanokugeln eingeschlossene Allergen spritzten die Wissenschaftler nun Mäusen, die normalerweise auf jeden Kontakt mit diesem Allergen mit Asthma reagieren. Doch wegen des umschließenden Biopolymers wird das allergieauslösende Protein vom Körper zunächst nicht erkannt und von Fresszellen als harmlos aber lästig “aufgeräumt”. Erst in der Fresszelle zersetzt sich das Polymer und das Allergen wird frei. “Die Makrophage präsentiert nun das Allergen dem Immunsystem auf eine Weise die sagt: ‘Keine Sorge, dieses Molekül gehört hierher'”, erklärt Seniorautor Stephen Miller. “Als Folge beendet das Immunsystem seinen Kampf gegen das Allergen und versetzt sich wieder in den Normalzustand.”
Asthmaanfall bleibt aus
Im Versuch mit den Mäusen bedeutet dies konkret: Wenn die Tiere mit dem Nanopartikel vorbehandelt wurden, entwickelten sie eine anhaltende Toleranz gegenüber dem normalerweise asthmaauslösenden Allergen. Selbst wenn ihnen das Eiprotein in die Lunge gesprüht wurde, blieb der Asthmaanfall aus, wie die Forscher berichten. Diese Toleranz war auch physiologisch nachweisbar: “Die Behandlung mit den Nanopartikeln hemmte die allergische Sensibilisierung signifikant”, so Smarr und seine Kollegen. Die Menge der für dieses Allergen spezifischen IgE-Antikörper sank stark ab, die Entzündung der Atemwege klang ab und die an der Allergieauslösung beteiligten T-Helferzellen wurden weniger. “Unseres Wissens nach ist dies der erste Bericht für eine Toleranz-Induktion durch Allergen-tragende Nanopartikel”, konstatieren die Wissenschaftler. Noch sei zwar nicht klar, durch welche Mechanismen diese Toleranz erreicht wird. Doch die Versuche sprechen dafür, dass diese “Umpolung” des Immunsystems durch die Nanopartikel langanhaltend und vielleicht sogar dauerhaft sein könnte.
“Unsere Ergebnisse repräsentieren einen neuen, sicheren und effektiven Weg, um Patienten mit lebensbedrohenden Allergien zu behandeln und potenziell sogar zu heilen”, sagt Miller. “Das könnte die bisherige lebenslange Therapie des allergischen Asthmas mit Medikamenten künftig unnötig machen.” Zudem lässt sich die Behandlung mit den Nanopartikeln leicht an verschiedene Allergene und Allergietypen anpassen. “Es ist eine universelle Therapie”, erklärt Miller. “Je nachdem, welche Allergie man beseitigen möchte, kann man die Nanopartikel beispielsweise mit Erdnussprotein oder aber Beifußpollen beladen.” Ein weiterer Vorteil: Die Biopolymer-Nanopartikel sind gut verträglich und werden demnächst bereits in klinischen Studien gegen Zöliakie und Autoimmunerkrankungen getestet, wie die Forscher berichten. Bis zu ihrem Einsatz gegen Asthma und Co müssen allerdings erst noch weitere Tierversuche durchgeführt werden. Doch Smarr und seine Kollegen sind zuversichtlich, dass solche Allergenfähren künftig ganz neue Möglichkeiten im Kampf gegen Allergien eröffnen könnten.





