Die Dünen hier in der Gegend des Sossusvlei gelten als die höchsten auf unserem Planeten. Sie sind Teil der Namib, jener Wüste, die Namibia, dem ehemaligen Deutsch-Süd-West, den Namen gegeben hat. „Namib” bedeutet in der Sprache der Nama „da, wo nichts ist”. 2000 Kilometer zieht sich die Wüste an der Küste hoch, bis zu 160 Kilometer ist sie breit. Insgesamt bedeckt sie mehr als 95 000 Quadratkilometer – etwas weniger als ein Drittel der Landesfläche Deutschlands.
Sie ist alles andere als eintönig und mitnichten ist dort „nichts”. Wie vielgestaltig die Namib ist, erschließt sich am besten aus der Luft: Sand wechselt sich mit Flächen von Geröll, mit Gebirgen, mit ausgetrockneten Pfannen ab. Mal steht ein Baum dazwischen, mal liegt dort ein Trockenfluss. Wer genau hinschaut, kann Elefanten und Oryx-Antilopen erkennen oder die mysteriösen Feenkreise, die es nur hier gibt.
Auffallend ist, dass sich die Dünenfarbe verändert; der Sand wird umso röter, je weiter man ins Landesinnere dringt. Das ist ein Zeichen des Alters, je älter die abgelagerten Sande, desto höher ist ihr Anteil an Eisenoxid, das ihnen das Rot verpasst.
Zu Namibia gehört die Wüste wie das Oktoberfest zu München. Hier regiert die Trockenheit schon seit Millionen von Jahren. Die heutige Küstenwüste liegt über einer viel älteren Binnenwüste und entstand vor rund fünf Millionen Jahren, als die Antarktis das erste Mal vereiste. Damals formierte sich die kalte Meeresströmung, die das südliche Afrika prägt. Das kalte Atlantikwasser sorgt dafür, dass das Wasser in der Luft über dem Meer kondensiert und sich kaum einmal eine Regenwolke ins Landesinnere verirrt. Aber es gibt Nebel an der Küste, der für viele Tiere und Pflanzen die einzige Wasserquelle ist.
Die vielen Millionen Jahre haben eine ganze Reihe von Spezialisten geschaffen, die sich in der Wüste zu Hause fühlen. Wie zum Beispiel die Nebeltrinker, kleine Käfer, die sich auf die Dünen stellen, das Hinterteil nach oben. An ihm kondensiert der Nebel, und das Wasser läuft ihnen direkt in die Mundwerkzeuge.
Der Mensch ist von dieser Art der Anpassung noch weit entfernt. Zwar lebten immer schon Völker wie die San am Rande der Wüste. Doch für die deutschen Siedler im 19. Jahrhundert war die Einöde in erster Linie ein lebensgefährliches Hindernis. Alles musste von den wenigen Häfen wie Swakopmund oder Lüderitz bis ins Landesinnere transportiert werden. In der Regel geschah das in wochenlangen Trecks mit Ochsengespannen. Zehn bis 20 Ochsen wurden damals vor die schweren Wagen gespannt und krochen rund 20 Kilometer pro Tag durch Sand und Geröll.





