Verheerende Flammenmeere, die Wälder- und Buschlandschaften in Asche legen und auch auf Siedlungsbereiche übergreifen: In den letzten Jahren haben bekanntlich besonders viele und heftige Brände verschiedene Regionen der Erde heimgesucht. Ökosysteme und menschliche Existenzen gingen dadurch in Flammen auf und zudem wurde viel zuvor gebundener Kohlenstoff in die Atmosphäre freigesetzt. Die Verschärfung der Bedrohung durch Brände wird dabei vor allem auf den Klimawandel zurückgeführt. Denn höhere Temperaturen und Dürren begünstigen bekanntlich die Entstehung, Ausbreitung sowie Intensität von Bränden.
Die wichtige Rolle der Nacht
Die Medien präsentieren uns auch teils dramatische Bilder von den verzweifelten Einsätzen der Feuerwehrleute: Häufig gelingt es ihnen dabei nicht, die heftigen Brände unter Kontrolle zu bringen. Dabei wird jedoch oft dem Tag mehr Aufmerksamkeit geschenkt – wenn die Brände am intensivsten wüten. Die Nacht wird hingegen weniger beachtet, betonen die Forscher um Jennifer Balch von der University of Colorado in Boulder. Dieser Zeit kommt ihnen zufolge allerdings eine erhebliche Bedeutung zu. Denn nachts können die meist kühleren und feuchteren Bedingungen Brände verlangsamen oder sogar manchmal ganz zum Erlöschen bringen. Ein bekannter Effekt des Klimawandels ließ die Forscher allerdings vermuten, dass die Bedeutung der Nacht als Bremsfaktor schwinden könnte: Die Nächte haben sich in den letzten Jahrzehnten im Vergleich zu den Tagen deutlich intensiver erwärmt.
Um der Frage genauer nachzugehen, wie sich dies auswirken könnte, haben Balch und ihre Kollegen einen analytischen Blick aus dem All auf die Erde geworfen: Ihre Ergebnisse basieren hauptsächlich auf Auswertungen von Satellitendaten zu Bränden in verschiedenen Regionen der Erde. In ihnen spiegeln sich nicht nur Informationen über die nächtliche Feueraktivität wider, sondern auch über die Bedingungen, die dabei eine Rolle spielen. Konkret geht es dabei um das sogenannte Dampfdruckdefizit (Vapor Pressure Deficit, VPD). Dabei handelt es sich um die Differenz zwischen der tatsächlichen Feuchte der Luft und der Wassermenge, die sie aufnehmen kann, wenn sie gesättigt ist. Wenn der VPD-Wert relativ niedrig ist, ist die Luft kühl und feucht – ist er hingegen hoch, ist die Luft heiß und trocken – es liegen somit eher brandfördernde Bedingungen vor.
Nachts lodert es immer mehr
Wie die Forscher berichten, zeichneten sich in ihren Datenauswertungen über zehntausende von Brandereignissen in der ganzen Welt ab: Die Intensität nächtlicher Feuer hat zwischen 2003 und 2020 unterm Strich um 7,2 Prozent zugenommen. Dabei sind Regionen sowohl auf der Nord- als auch auf der Südhalbkugel der Erde betroffen – einschließlich Europas. Besonders drastisch war die Zunahme allerdings im Westen der USA, wo Brände bekanntlich besonders intensiv gewütet haben. Dort hat die nächtliche Brandintensität in den letzten 20 Jahren sogar um 28 Prozent zugenommen, berichten die Wissenschaftler.





