Statt mit bunten Federn bezaubern uns die Nachtigallen durch akustische Brillanz: Die melodischen Kombinationen von „Flötentönen“ und rollenden Schnalzern bringen bei vielen Menschen Emotionen zum Klingen. Der romantische Gesang inspirierte sogar musikalische Kompositionen und brachte den unscheinbaren Vögelchen Auftritte in der Weltliteratur ein. Doch eigentlich singen sie natürlich nicht, um uns zu erfreuen. Die Nachtigall-Männchen lassen das Gesangsschauspiel erschallen, um potenzielle Partnerinnen anzulocken und ihre Reviere gegen Rivalen zu verteidigen.
Das klangvolle Konzept ist dabei auch aus wissenschaftlicher Sicht interessant, denn es weist Parallelen zu unseren Kommunikationssystemen auf. Deshalb wollen Forscher genauer wissen, wie die komplexen Klänge der Nachtigallen strukturiert sind, welche Botschaften vermittelt werden und was auf neurologischer Ebene abläuft. In der aktuellen Studie hat sich das Team um Senior-Autorin Daniela Vallentin vom Max-Planck-Institut für biologische Intelligenz in Seewiesen nun mit dem interaktiven Aspekt des Nachtigall-Gesangs beschäftigt. Denn es ist bekannt, dass Nachtigall-Männchen intensiv auf Rivalen reagieren – während der Paarungszeit liefern sich Nachbarn regelrechte Gesangsduelle und scheinen sich vom jeweiligen Gegner inspirieren zu lassen.
Gesanglicher Ansteckung auf der Spur
Dabei zeichnet sich eine interessante Parallele ab, sagen die Wissenschaftler: „Das ist ganz ähnlich wie bei Menschen, die ja auch viele Merkmale ihrer Stimme wie Lautstärke oder Tonhöhe im Laufe eines Gesprächs an die Gesprächspartner anpassen. Dieses Verhalten hilft uns dabei, sinnvolle Unterhaltungen zu führen“, sagt Vallentin. „Daher wollten wir herausfinden, ob Nachtigallen zu etwas Ähnlichem fähig sind, also ob sie ihr Gesangsverhalten flexibel an die Gesänge ihrer Konkurrenten anpassen können“, sagt die Forscherin. Das Team zeichnete dazu die Gesangsduelle von Nachtigallen während der Paarungszeit in deren Brutgebieten in Deutschland auf. Anschließend unterzogen sie die Klangfolgen aus Pfeiflauten unterschiedlicher Tonhöhe einer akustischen Analyse, um Besonderheiten aufzudecken.
Wie sie berichten, konnten sie nun genauer dokumentieren, wie die Nachtigall-Männchen ihre Gesangsstrophen gezielt als Reaktion auf den Gesang rivalisierender Nachbarn singen. Demnach imitieren sie dabei die Tonhöhe des Kontrahenten über ein breites Frequenzspektrum hinweg. Besonders deutlich wurde das spiegelnde Gesangsverhalten, durch manipulierte Vorbilder: Sogar an über Lautsprecher abgespielte Melodien mit künstlich erzeugten Gesangselementen, die außerhalb des normalen Spektrums der Nachtigallen lagen, versuchten sich die Sänger anzupassen.





