Inzucht verlängert die Lebenserwartung von männlichen Samenkäfern und verkürzt die der Weibchen. Der Fortpflanzungserfolg nimmt dabei jedoch bei beiden Geschlechtern gleichermaßen ab, haben schwedische Forscher um Trine Bilde von der Universität in Uppsala herausgefunden. Ihre Beobachtungen liefern Hinweise darauf, warum sich bei vielen Tierarten die Lebenserwartung von Männchen und Weibchen deutlich unterscheidet.
Bei den meisten Insekten und Säugern, wie auch beim Menschen, leben die Weibchen im Durchschnitt länger als die Männchen. Für dieses Phänomen gibt es verschiedene Erklärungsansätze. Eine Theorie besagt, dass das zweite X-Chromosom der Weibchen genetische Defekte auf dem ersten X-Chromosom ausgleichen kann. Bei Inzest stiege dann die Wahrscheinlichkeit, dass dieselben Defekte in beiden Chromosomen vorkommen. Männchen besitzen ohnehin nur ein X-Chromosom und wären daher von Inzucht weniger beeinträchtigt.
Um das zu überprüfen, züchteten die Forscher Inzest-Käfer und beobachteten, wie sich die durchschnittliche Lebensdauer gegenüber normalen Tieren veränderte. Das überraschende Ergebnis: Die Lebensdauer der Männchen wurde durch Inzucht nicht nur weniger stark verkürzt als die der Weibchen, sie verlängerte sich sogar. Das könne nicht durch die unterschiedlichen Chromosomen begründet werden, erklären die Forscher.
Als alternativen Erklärungsansatz nennen die Forscher die sogenannte geschlechtsspezifische Selektion: Für Männchen können ganz andere Fortpflanzungsstrategien vorteilhaft sein als für Weibchen. Beispielsweise könnte für Männchen sinnvoll sein, früh viel Energie in die Paarung zu investieren und dafür einen relativ frühen Tod in Kauf zu nehmen. Weibchen dagegen brauchen Zeit, um Eier zu legen und müssen länger leben, um sich mehrmals zu paaren. Bei Inzucht kommt es zu Störungen dieser Strategien. So kann das verlängerte Leben des Samenkäfermännchens ein evolutionärer Nachteil sein. Tatsächlich zeugten die Männchen, genau wie die Weibchen, weniger Nachkommen ? ihre reproduktive Fitness nahm also durch die Inzucht gleichermaßen ab.
Trine Bilde (Universität Uppsala) et al.: BMC Evolutionary Biology (Bd. 9, S.33). ddp/wissenschaft.de ? Martin Rötzschke





