Dass uns Sex fit hält und die Lebenserwartung steigert, ist eine weit verbreitete Ansicht, wissenschaftlich bewiesen wurde sie bisher nicht. Jetzt haben Forscher wenigstens ein Tier gefunden, bei dem sich regelmäßiger Sex in Lebenszeit auszahlt: den afrikanischen Graumull, ein Maulwurf ähnliches Tier. bild der wissenschaft befragte den Umweltwissenschaftler Philip Dammann über die Resultate seiner Doktorarbeit.
Wie kamen Sie dazu, die Langlebigkeit von Graumullen zu studieren?
Das war eher zufällig. Mein Doktorvater Prof. Hynek Burda züchtet seit Mitte der Achtzigerjahre Graumulle. Diese Tiere leben in größeren Gruppen, in denen immer nur ein Paar Nachwuchs zeugt. Ich habe in den Zuchtdaten nach Fitnessmerkmalen gesucht. Dabei fiel mir auf, dass die reproduktiven Tiere fast immer wesentlich älter wurden als die nicht-reproduktiven. Das ist – mit Ausnahme bei sozial lebenden Insekten – ungewöhnlich im Tierreich, denn Fortpflanzung kostet Energie und verkürzt eher das Leben. Das gilt quer durch alle Organismengruppen, besonders bei polygam lebenden Arten.
Wie deutlich ist der „Sex-hält-jung-Effekt” bei den Mullen?
Die Graumulle, die Nachkommen zeugten, wurden im Labor bis zu 20 Jahre alt, kinderlose Tiere dagegen höchstens 8 Jahre.
Kann man aus Ihren Daten Rückschlüsse auf Menschen ziehen?
Was für den Mull gilt, muss nicht unbedingt für den Menschen zutreffen. Bemerkenswert finde ich aber, dass beide Spezies relativ monogam leben und den Nachwuchs mit viel Aufwand großziehen. Außerdem haben Mulle wie Menschen gern regelmäßig Sex – auch, wenn daraus kein Nachwuchs hervorgehen kann, etwa während einer Schwangerschaft. Daher würde ich die Hoffnung nicht aufgeben, dass Sex vielleicht auch Männer und Frauen jung hält.





