Jedes Jahr sterben weltweit Hunderttausende Delfine und Kleinwale, weil sie sich in Stellnetzen verheddern und ertrinken. Das ließe sich in Zukunft verhindern: Die Netze könnten mit einer Substanz behandelt werden, die die Echolaute der Meeressäuger reflektiert. Damit könnten die Tiere die Netze besser orten und rechtzeitig umkehren. Was es mit diesem Tierschutz-Additiv auf sich hat, fragten wir Axel Markens von Sachtleben Chemie GmbH, dem Hersteller des Stoffs.
Wie sind Sie auf den Tierschutz-Effekt des Additivs gekommen?
Der amerikanische Chemiker Norman Holy sucht schon seit Ende der neunziger Jahre Materialien, die man in Fischernetze aus Nylon „einbauen” kann, damit die Sonarlaute, die Wale und Delfine zur Orientierung aussenden, reflektiert werden. „Sachtleben micro” , ein Produkt auf Bariumsulfatbasis, erfüllt diese Anforderung und lässt sich erfolgreich in die Nylonmatrix einarbeiten. Zusätzlich könnte man die Netze mit fluoreszierenden Additiven ausrüsten. Sie wären dann bei Tag und Nacht sichtbar. So könnte der Beifang von extrem bedrohten Wasserschildkröten, aber auch von Seevögeln, deutlich reduziert werden.
Vor welchem Hintergrund wurde die Substanz entwickelt?
Bariumsulfat wird weltweit als Kontrastmittel in der Röntgendiagnostik des Magen- und Darmtraktes eingesetzt. Auch dort werden die Fähigkeiten des Produkts genutzt, Strahlen – in diesem Fall: Röntgenstrahlen – zu reflektieren.
Gibt es noch weitere Einsatzmöglichkeiten von Bariumsulfat?
Ja, in Kunststoffen, aus denen Spielzeugkleinteile hergestellt werden. Nach versehentlichem Verschlucken lassen sie sich dann auf dem Röntgenschirm orten.





