US-Forscher möchten das Virus der Spanischen Grippe, die 1918/19 weltweit zu etwa 40 Millionen Toten führte, erforschen und nachbauen. Das berichtet das Hamburger Magazin “GEO” in seiner Februar-Ausgabe. Ausgelöst wurde die Epidemie durch eine besonders gefährliche Form des Influenza-Virus (H1N1). Das Forscherteam um Jefferey Taubenberger vom Armed Forces Institute of Pathology in Rockville (US-Staat Maryland) analysiert dazu wiederholt Proben aus alten Massengräbern und Gewebearchiven. Geplant ist, das gesamte Genom von H1N1 zu entschlüsseln und das Virus nachzubauen. In einem Hochsicherheitstrakt können dann alle Eigenschaften des Erregers getestet werden.
Grippe sei die am meisten unterschätzte Krankheit der Gegenwart – anders als Ebola, Aids und BSE. Sie fordert nach statistischen Schätzungen in manchen Jahren bis zu 20 000 Todesopfer allein in Deutschland. Das Hauptproblem für die Forscher bleibt die Unberechenbarkeit neu auftretender Grippe-Virus-Typen.
Als 1997 in Hongkong das Influenza-Virus eines Vogels (H5N1) den direkten Sprung auf den Menschen schaffte, starben sechs der 18 infizierten Menschen. Zur Sicherheit wurden 20 Millionen Hühner geschlachtet. Das Virus hätte laut “GEO” mit einer anrückenden Grippewelle zusammentreffen und eine gefürchtete Doppelinfektion auslösen können: Wenn Vogel- und Menschenviren ihr Genom in einer menschlichen Zelle mischen, kann ein neuer, gefährlicherer Typ entstehen. Dies war 1957 bei der besonders aggressiven Asiatischen Grippe der Fall. Der Influenza-Typ H1N1 mischte sich damals mit einem Vogelvirus und es entstand der neue Virusuntertyp H2N2.
Das Nationale Referenzzentrum für Influenza in Hannover hat erste Anzeichen, dass sich die Grippe auch in diesem Jahr in Deutschland ausbreitet. Nach Angaben des Zentrums hat es in der zweiten Januarwoche einen starken Anstieg in der Nachweisrate der gefährlichen Influenzaviren gegeben. Wie stark der Ausbruch der Grippe sein werde, könne man noch nicht sagen.
dpa





