Sie ersetzen verbale Signale, runden sie ab oder bilden bei der Zeichensprache sogar ein eigenes Kommunikationssystem: Durch bestimmte Bewegungen und visuelle Zeichen können wir unseren Mitmenschen bekanntlich komplexe Informationen vermitteln. Was Tiere betrifft, wurden bisher nur bei Menschenaffen höhere Formen der nonverbalen Kommunikation nachgewiesen. Von anderen Tieren ist zwar auch eine Informationsvermittlung durch körperliche Zeichen bekannt. Dabei handelte es sich bisher allerdings um einfache Zeigesysteme, die auf einen Zustand oder bestimmte Objekte aufmerksam machen. Doch Toshitaka Suzuki und Norimasa Sugita von der Universität Tokio präsentieren nun ein Beispiel für eine komplexere Form der gestischen Kommunikation bei Tieren.
Was hat es mit diesem Flattern auf sich?
In ihrem Visier standen die fernöstlichen Verwandten unserer Kohlmeisen. Untersuchungen der Laut-Kommunikation der Japanmeisen (Parus Minor) haben bereits zuvor für Überraschungen gesorgt. Durch ihre Rufe vermitteln diese Singvögel demnach komplexe Botschaften und sie setzen sogar eine Art Grammatik ein: Es werden in bestimmten Situationen zwei Laute zu einer Äußerung mit neuer Bedeutung kombiniert, haben die bisherigen Studien gezeigt. Wie Suzuki und Sugita berichten, fiel ihnen bei diesen Untersuchungen immer wieder auch ein besonderes Bewegungsverhalten der Meisen auf: Im Rahmen der partnerschaftlichen Brutpflege flattern die Vögel manchmal auffallend mit ihren Flügeln, während sie in der Nähe der Nisthöhle auf einem Zweig sitzen.
Suzuki und Sugita sind nun systematisch der Frage nachgegangen, ob es sich dabei um eine Form der visuellen Kommunikation der Japanmeisen handeln könnte. Dazu nahmen sie das Verhalten von 16 Elternvögeln genau unter die Lupe, die in Nistkästen mit einem kleinen Eingang ihre Jungen betreuten. Zunächst bestätigten die Auswertungen der Kameraaufzeichnungen, dass die Meisen das Flügelschlagen nie alleine zeigen, sondern nur, wenn beide Partner gleichzeitig mit einem Wurm im Schnabel am Nistplatz ankommen. Für den anderen deutlich sichtbar führt dann jeweils einer der beiden Vögel die Flügelschläge aus. Wie sich zeigte, stoppen sie dieses Verhalten sofort, sobald der Partner den Nistkasten betreten hat.
Aus den statistischen Auswertungen ging anschließend eindeutig hervor, dass das Flügelschlagen die Reihenfolge des Nestbesuchs bestimmte, berichten die Forschenden. Ob einer der Partner etwas früher als der andere angekommen war, spielte demnach keine Rolle. Allein das Signal des Flügelschlagens führte dazu, dass der jeweils andere Partner zuerst in die Nisthöhle hopste, um die Küken zu füttern. „Wir waren überrascht, wie deutlich sich dieses Ergebnis abzeichnete“, sagt Suzuki.





