Seit Tagen wird die westliche Welt im Fernsehen von einer Bilderflut überrollt, in der wieder und wieder die Filmaufnahmen der grauenvollen Zerstörung durch die Terroranschläge gezeigt werden. Auch Kinder können kaum vor den Bildern bewahrt werden. In dieser Situation sollten Eltern und Erzieher sich an einige Empfehlungen halten, wie sie ihrem Kind helfen könnten, die schrecklichen Ereignisse zu verarbeiten. Ein Entwicklungspsychologe der Cornell University hat bereits kurz nach den Terroranschlägen einige Regeln aufgezeigt.
Für die Kinder, die nicht unmittelbar betroffen sind, die nicht vor Ort waren und die keine angehörigen verloren haben, ist es das Wichtigste, für ihre Fragen Zeit zu haben und ihnen zu vermitteln, dass ihre Liebsten in Sicherheit sind.
Die Erwachsenen sollten bei der Beantwortung so wahrheitsgetreu wie möglich sein, damit sich in den kindlichen Köpfen nicht irgendwelche Spukgeschichten, “Märchen” und Gerüchte festsetzen. Die Erwachsenen sollten jedoch den Kindern möglichst keinen Vortrag über “das Wichtigste” halten. Was Erwachsene für eine wichtige Information halten, ist nicht unbedingt auch für Kinder relevant. Besser ist es, genau auf das zu antworten, was Kinder fragen.
Besondere Behutsamkeit ist im Umgang mit Kindern zu beachten, die bereits vor der Katastrophe mit einem Verlust in der Familie leben mussten, sei es, dass die Eltern geschieden sind oder dass ein Elternteil schon seit längerem tot ist oder auch nur, dass ein Elternteil für längere Zeit irgendwo auf Dienstreise oder Montage ist. Und je jünger die Kinder sind, desto wichtiger ist es, ihnen Sicherheit und Geborgenheit zu vermitteln. In den Fällen, wo die Familien der Kinder von den Anschlägen nicht betroffen war, ist es ganz wichtig für die Kinder, von den Erwachsenen zu erfahren, dass alle ihre Lieben in Sicherheit sind.
James Garbarino, Professor für Entwicklungspsychologie und Ko-Direktor am Family Life Development Center der Cornell University, und seine Kollegen haben mit der Verarbeitung von traumatisierenden Katastrophen wie Krieg (Golf-Krieg), Naturkatastrophen (Erdbeben), Schulschießereien (etwa Columbine) und anderen terroristischen Akten (man denke an den Anschlag von Oklahoma City) bereits reichlich Erfahrungen machen können und machen müssen. Daher wissen sie, dass es ganz wichtig ist, dass die Erwachsenen die Fragen der Kinder beantworten.
Doris Marszk





