Wissenschaftler rätseln immer noch über das mysteriöse Eigenleben von Kanonenkugeln aus dem Neunjährigen Krieg (1689-1697), den Frankreich unter anderem gegen England, Brandenburg, Sachsen und Hannover führte. Den Krieg hat schließlich England in einer Seeschlacht für sich entschieden. Zu den Verlusten des Krieges gehörte jedoch das fünfhundert Mann starke britische Schlachtschiff “HMS-Coronation”. Als der Chemiker Bob Child vor einigen Jahren Kanonenkugeln des Schiffes an die Meeresoberfläche holte, fingen sie zu seiner Überraschung rot an zu glühen und verursachten beinahe ein Feuer.
Was damals Stoff für allerlei Seemannsgarn war, versucht Child heute zusammen mit Kollegen naturwissenschaftlich zu erklären. Der Grund ist wahrscheinlich eine plötzliche Reaktion mit dem Luftsauerstoff, die die eisernen Kanonenkugeln auf über 300 Grad erhitzt haben, berichtet das Magazin “Nature” in seiner Online-Ausgabe.
Unter Wasser sind die Kugeln demnach zunächst völlig durchgerostet. Anschließend bildete sich eine luftdichte Sandkruste um die verrotteten Kugeln, unter der sich ein Teil des Rostes wieder in poröses Eisen verwandelte. Wird nun die Sandkruste von geborgenen Kugeln durchbrochen, reagiert das poröse Eisen heftig mit eindringendem Luftsauerstoff und fängt an zu glühen, erklären die Forscher.
ddp/bdw – Andreas Wawrzinek





