Wir haben die Insektenvielfalt der Welt noch lange nicht ganz erfasst – jedes Jahr werden weitere bisher unbekannte Arten wissenschaftlich dokumentiert. Doch normalerweise stammen sie aus noch eher wenig erforschten Regionen der Erde. In Europa nehmen Entomologen die Insekten hingegen schon lange intensiv unter die Lupe. Dennoch sind auch bei uns sind noch interessante Neuentdeckungen möglich, wie der aktuelle Fall zeigt, über den das das internationale Forscherteam um Seniorautor Peter Huemer von den Tiroler Landesmuseen berichtet.
In einer Sammlung entdeckt
Als erstem war der seltsame Schmetterling dem österreichischen Hobby-Entomologen und späteren Co-Autor Toni Mayr aufgefallen. Er entdeckte ihn bei der Durchsicht einer Schmetterlingssammlung, die er gerade erworben hatte. Mayr konnte den cremefarbenen, etwa drei Zentimeter großen Falter keiner bekannten europäischen Art und nicht einmal einer Gattung zuordnen. Er wandte sich daraufhin an Experten, die sich ebenfalls wunderten und so kam es schließlich zu weiteren Nachforschungen. Dabei konnte zunächst der ursprüngliche Sammler des mysteriösen Falters ausfindig gemacht werden: Der Fund stammte von einem weiteren österreichischen Hobby-Entomologen – Robert Hentscholek. Wie er berichtete, hatte er den Schmetterling Anfang der 1980er Jahre an einem Ort in Süddalmatien gefunden – und zwar zu einer ungewöhnlichen Zeit: im März.
Es handelte sich ursprünglich um drei Exemplare, die von zwei unterschiedlichen Besuchen an dem küstennahen Fundort in diesem Monat stammten, ging aus den Informationen des Finders hervor. Die beiden anderen Falter hatte Hentscholek mittlerweile ebenfalls weitergegeben. Wie sich herausstellte, war ein Exemplar am Ende im Naturhistorischen Museums in Wien gelandet, der Verbleib des dritten blieb allerdings unklar. Den Wissenschaftlern standen nun aber zumindest ein männliches und ein weibliches Exemplar für ihre Untersuchungen zu Verfügung. So konnten sie die Körpermerkmale dieser seltsamen Falter genau unter die Lupe nehmen. Außerdem gelang es ihnen, etwas DNA aus den präparierten Exemplaren für genetische Analysen zu gewinnen.
Ein seltsamer Winter-Schmetterling?
Wie die Untersuchungsergebnisse verdeutlichten, handelt es sich nicht nur um eine neue Art – die Merkmale ließen sich auch keiner bekannten Gattung der Schmetterlinge klar zuordnen. Aus den anatomischen Besonderheiten und genetischen Hinweise geht demnach eine weitgehend eigenständige systematische Stellung hervor. Dass es sich um eine eingeschleppte Art handeln könnte, schließen die Forscher aus. Demnach repräsentiert der Neuling somit eine neue Gattung aus der Schmetterlings-Familie der Spanner, die bisher der europäischen Entomologie entgangen ist. Auch bei der wissenschaftlichen Benennung drückte das Team die Besonderheit des Fundes aus: Der Falter erhielt den Namen Mirlatia arcuata, wobei Mirlatia eine Verschmelzung zweier lateinischen Begriffe ist, die sich auf den Überraschungseffekt beziehen.






