Die Sojabohne, die weltweit am häufigsten angebaute gentechnisch veränderte Pflanze, enthält einige bisher unbekannte DNA-Sequenzen in der Nähe des eingeschleusten Gens. Dies berichten belgische Wissenschaftler in der Fachzeitschrift European Food Research and Technology. Der Fund zieht Behauptungen der Biotech-Industrie in Zweifel, dass genetische Veränderungen präzise und vorhersehbar vorgenommen werden können und wirft die Frage auf, wie gut solche Manipulationen auf molekularer Ebene wirklich verstanden sind.
Bereits zum zweiten Mal sind damit bisher nicht bekannte und im Zulassungsverfahren nicht erwähnte DNA-Sequenzen in “Roundup Ready”-Sojabohnen der Firma Monsanto gefunden worden. Die jetzt aufgespürte DNA-Sequenz liegt unmittelbar neben zwei erst im letzten Jahr entdeckten Genfragmenten. Monsanto bezeichnete dieses Stück voriges Jahr in einem Bericht an die Zulassungsbehörden als originale DNA der Sojabohnen. Wie die belgischen Forscher vom Center for Agricultural Research in Gent zeigen konnten, kommt in unveränderten Sojabohnen eine solche Sequenz allerdings nicht vor. Sie meinen, dass diese möglicherweise zur originalen DNA gehört aber durch das Einschleusen des neuen Gens umgeordnet wurde oder dass ein Stück der originalen DNA zerstört wurde und ein anderes Stück DNA seinen Platz eingenommen hat.
Die belgischen Ergebnisse lägen bereits seit einiger Zeit im Internet vor und seien von Monsanto schon mit den Genehmigungsbehörden diskutiert worden, sagt Jerry J. Hjelle von Monsanto. Er schreibt den Fund den heutzutage empfindlicheren Messmethoden zu: “Heute kann man mit den verbesserten Methoden viele Dinge wesentlich detaillierter messen, als wir das vor 10 Jahren konnten.” Er weist darauf hin, dass die entdeckte DNA-Sequenz ein nur 534 Basenpaare (“Buchstaben”) langer Abschnitt aus dem insgesamt 1,5 Milliarden Buchstaben langen Genom der Sojabohne sei.
David Ow vom Departement of Agriculture’s Plant Gene Expression Center in Albany sagt, dass sich ein eingeschleustes Gen nicht immer nahtlos ins Genom der Pflanze einbaut: “Es ist nicht so erstaunlich, dass eine Neuanordnung auftritt. Die Frage ist, was die Konsequenzen daraus sind.” Wie er meint muss der Fund nicht eine Frage über die öffentliche Sicherheit aufwerfen. Er könnte allerdings für die Industrie zu einem Problem in der öffentlichen Meinung werden.
Monsantos Sojabohnen enthalten ein Bakterien-Gen, dass die Pflanzen gegen Monsantos “Roundup”-Unkrautvertilger widerstandsfähig macht. So können Landwirte das Unkrautvertilgungsmittel in der Wachstumsphase versprühen, ohne die Sojabohnen zu schädigen. Während die “Roundup Ready”-Bohnen in den USA bereits über 50 Prozent aller angepflanzten Sojabohnen ausmachen, sind sie in der EU zwar zum Verzehr, nicht jedoch zum Anbau zugelassen.
Arndt Dürr




