Es ist ganz bestimmt keine neue Foltermethode, was Dirk Mohn von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich entwickelt hat – obwohl es auf den ersten Blick so aussieht: Der Forscher am Institut für Chemie- und Bioingenieurwissenschaften setzt nämlich die Titanschrauben von Zahnimplantaten unter Strom. Doch sein Ziel ist es, gefährliche Bakterien abzutöten.
In den Industrieländern wurden nach Schätzungen von Experten im Jahr 2009 fünf Millionen Zahnimplantate eingesetzt, davon eine Million allein in Deutschland. Doch bei jedem zehnten Implantat gibt es Probleme. Entweder es heilt nicht richtig ein, oder es kommt zu Infektionen, die zu Knochenschwund führen können. Teilweise müssen die Implantate deshalb wieder entfernt werden. Bisher wurden solche Infektionen mit Lasern oder Antibiotika behandelt. Mohn suchte nach einer schonenderen Therapie. Sein Verfahren basiert auf einer Methode der Wasserreinigung, bei der mittels Elektrolyse Keime zum Absterben gebracht werden.
Zunächst stellte Mohn mit einer Kochsalzlösung ein Gelatinepräparat her, quasi als Kieferersatz. Darin platzierte er Titan-Implantate, die er vorher mit Escherichia-coli-Bakterien verunreinigt hatte. Dann setzte er die Implantate unter einen Strom von zehn Milliampere, wobei ein Implantat als Plus-, ein anderes als Minuspol diente. Wie sich zeigte, sank am Pluspol der ph-Wert, und es bildete sich ein saures Milieu. Aus der Kochsalzlösung wurden daraufhin oxidative Substanzen wie Chlor freigesetzt, die eine desinfizierende Wirkung haben. Die Konzentrationen dieser Substanzen waren allerdings so gering, dass sie gesundheitlich unbedenklich waren. Das Experiment verlief erfolgreich: Nach 15 Minuten waren 99 Prozent der Bakterien abgestorben. „Beim Patienten”, erklärt Mohn, „würde das Implantat die Rolle des Pluspols übernehmen. Der Minuspol könnte zum Beispiel ein Clip an der Lippe sein.”
Vor den zehn Milliampere muss sich im Übrigen niemand fürchten: Diese Stromstärke wird entweder gar nicht oder nur als leichtes Muskelzucken wahrgenommen.





