Stechmücken legen ihre Eier überall dort ab, wo es stehendes, nährstoffreiches Wasser gibt. Das kann ein See oder Teich sein, aber auch ein Wassergraben, eine Pfütze oder das Wasser in einer Regentonne. Und genau diese Brutstätten gibt es nun, nach Wochen des Starkregens, der Schauer und der Überschwemmungen bei uns in Deutschland reichlich.
Die Stechmückenweibchen finden nun unzählige größere und kleinere Wasserlachen, beispielsweise in überschwemmten Feldern oder Waldwegen, aber auch in herumstehenden Eimern, Gießkannen und anderen Gefäßen. Hat das Mückenweibchen ein geeignetes Wasservorkommen entdeckt, legt sie in kürzester Zeit bis zu 300 Eier ab. Weil es momentan so sommerlich warm ist, dauert die Entwicklung der Eier und Mückenlarven nur wenige Tage.
Mückenplage bahnt sich bereits an
Die Folge: Spätestens zwei Wochen nach Eiablage schlüpft die nächste Mückengeneration – und das angesichts der perfekten Bedingungen wahrscheinlich in Massen, wie Mückenforscher schätzen. Nach den größtenteils niederschlagsarmen Jahren 2014 und 2015 mit eher geringen Populationsdichten der Stechmücken könnte ihren Angaben nach die aktuelle Situation ein Startschuss für ein hohes Aufkommen in der Mückensaison 2016 sein.
Die uns bevorstehende Mückenplage ist für die meisten Menschen eher lästig, doch für Forscher vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) und vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) ist sie eine große Chance. Denn sie untersuchen im Projekt Mückenatlas mit Hilfe von Bürgerwissenschaftlern, wann, wo und mit welchen Arten Stechmücken in Deutschland vorkommen.
Immer mehr eingeschleppte Mücken
Wichtig ist das deshalb, weil in den letzten Jahren immer wieder eingeschleppte Mückenarten in Deutschland gefunden wurden. So belegten Funde von Bürgern bereits, dass die Asiatische Buschmücke (Aedes japonicus) in Teilen des Landes sporadisch vorkommt. Die als potenzieller Überträger von Krankheitserregern noch bedeutendere Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) scheint sogar inzwischen in Süddeutschland überwintern zu können und hat erste Populationen etabliert.
“Durch die in Europa in den letzten Jahren zunehmenden Ausbrüche von Stechmücken übertragenen Krankheiten, wie Dengue-, Westnil- oder Chikungunya-Fieber, sowie den jüngsten Zika-Virus-Ausbruch in Südamerika wurde die aktuelle Bedeutung von Stechmücken als Krankheitsüberträger unter Beweis gestellt”, sagt Doreen Walther vom ZALF und bittet um Mithilfe bei dem Projekt Mückenatlas. “Zur Risikoabschätzung benötigen wir dringend Daten zur Verbreitung der in Deutschland vorkommenden invasiven und einheimischen Arten.”





