Gelbfiebermücken synchronisieren bei der Paarung ihr Summen miteinander. Sie orientieren sich dabei an der harmonischen Reihe von Obertönen und suchen nach einem gemeinsamen Nenner der Frequenzen. Das haben Entomologen der Cornell-Universität in Ithaca beobachtet. Mit ihren Experimenten widerlegen die Forscher bisherige Annahmen, nach denen Gelbfiebermücken nur in sehr eng begrenzten Frequenzbereichen hören können.
Treffen männliche und weibliche Mücken aufeinander, synchronisieren sie zeitweise die Frequenz ihrer Flügelschläge, vermutlich um Paarungswillen zu signalisieren oder um Fitness zu beweisen. Solches Verhalten wurde bereits bei mehreren Spezies beobachtet. Die Wissenschaftler entdeckten bei der Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) jedoch eine Besonderheit: Die Insekten synchronisieren nicht die eigentlichen Flügelschlagfrequenzen miteinander, sondern deren zweite beziehungsweise dritte sogenannte Harmonische. Das sind ganzzahlige Vielfache der Grundfrequenzen, Musikern auch als Obertöne bekannt.
Im konkreten Fall der Gelbfiebermücken summt das Männchen mit etwa 600 Hertz. Diese Grundfrequenz ist die erste Harmonische, die zweite Harmonische ist einfach das Doppelte, also 1.200 Hertz. Die Grundfrequenz des Weibchens hingegen liegt deutlich tiefer bei 400 Hertz. Ihre dritte Harmonische ? also das Dreifache ? liegt jedoch ebenfalls bei 1.200 Hertz. Diese Bereitschaft, die Frequenz zu modulieren, lässt nach einer erfolgten Paarung beim Weibchen stark nach, fanden die Forscher heraus.
Die Beobachtungen deuten darauf hin, dass die Tiere entgegen bisheriger Annahmen in der Lage sind, Frequenzen um 1.200 Hertz wahrzunehmen. Das widerspricht der These, nach der sich ihr Hörbereich lediglich zwischen 300 und 800 Hertz erstreckt. Manche Forscher hielten die Weibchen sogar für völlig taub. Die Experimente der Forscher scheinen nun dies zu widerlegen, denn sowohl Männchen als auch Weibchen konnten durch Abspielen eines künstlich erzeugten, reinen 1.200-Hertz-Summens zu einer Anpassung ihrer eigenen Frequenz angeregt werden. In einer neurophysiologischen Untersuchung der Hörorgane ließen sich diese sogar mit Signalen bis zu 2.000 Hertz stimulieren.
Die Gelbfiebermücke überträgt gefährliche Tropenkrankheiten wie das Gelb- und das Dengue-Fieber. Aus der Erforschung ihres Paarungsverhaltens könnten sich neue Ideen zur Verhinderung ihrer Ausbreitung in betroffenen Gebieten ergeben, hoffen die Forscher.
Lauren Cator (Cornell University, Ithaca) et al.: Science, DOI: 10.1126/science.1166541 ddp/wissenschaft.de ? Martin Rötzschke




