Der “Mozarteffekt” könnte zukünftig zur Behandlung von Menschen eingesetzt werden, die an Epilepsie leiden. John Jenkins von der University of London veröffentlichte im Journal of the Royal Society of Medizine Forschungsergebnisse, nach denen bestimmte Musikstücke einen positiven Einfluss auf die menschliche Gehirnleistung haben.
In älteren Versuchen hatte Jenkins festgestellt, dass Kinder nach dem Hören der Klaviersonate eine größere Geschicklichkeit beim Ausschneiden von Papier und bei Faltübungen hatten. Zudem besaßen Kinder eine bessere räumliche und zeitliche Wahrnehmung, wenn sie über den Zeitraum von sechs Monaten ein kurzes Musikstück auf einem Tasteninstrument einstudiert hatten.
Bei Epileptikern beobachtete Jenkins nun einen Rückgang jener Hirnaktivitäten, die für das Auslösen von epileptischen Anfällen verantwortlich gemacht werden. Den therapeutischen Effekt der Musik erklärt Jenkins mit dem Umstand, dass Musik von verschiedenen Hirnabschnitten verarbeitet wird und so die linke und die rechte Hirnhälfte gleichzeitig angeregt werden.
Rhythmus und Klanghöhe sprechen die linke Hirnhälfte an, Klangfarbe und Melodie die rechte. Von denselben Abschnitten des Gehirns wird auch die räumliche und zeitliche Wahrnehmung bestimmt. Die Besonderheit von Mozarts Klaviersonate besteht nun in der langanhaltenden Periodizität, die Wellenformen erzeugt, die regelmäßig aber in großen Abständen wiederkehren. Diese Besonderheit ist auch in Kompositionen Bachs und einiger moderner Musiker zu finden.
Jenkins spricht sich aufgrund seiner Forschungsresultate für eine weitere Erforschung dieses Phänomens aus, während andere Wissenschaftler seiner Theorie eher kritisch gegenüberstehen. Die von Jenkins beobachteten Effekte waren bislang nicht eindeutig reproduzierbar.
Marion Herzog





