Zu den großen Rätseln der Medizin zählt der „Morbus Crohn”. Jetzt steht ein Verwandter des Lepra-Bakteriums unter Verdacht, diese chronische Darmentzündung auszulösen.
Von der Krankheit betroffen sind hauptsächlich jüngere Menschen in den westlichen Industrieländern – eine der prominentesten Patienten ist die Sängerin Anastacia. Der Dünndarm entzündet sich in schmerzhaften Schüben, die von blutigen Durchfällen begleitet sind. Als Krankheitsursachen werden Angriffe des eigenen Immunsystems und sogar frühkindliche psychische Belastungen diskutiert. Nun haben amerikanische Forscher überprüft, ob möglicherweise Mykobakterien die Darmentzündung auslösen. Vertreter dieser Gattung rufen unter anderem Tuberkulose oder Lepra hervor.
Bei der Hälfte von 28 untersuchten Crohn-Patienten entdeckten die Wissenschaftler das Mykobakterium avium, Subspezies paratuberculosis (MAP), dagegen bei keiner von 15 gesunden Kontrollpersonen. Das Bakterium war ins Visier der Forscher geraten, weil es bei Kühen und Ziegen eine ganz ähnliche Darmkrankheit auslöst – die Paratuberkulose. Wenn sich in größeren Studien der Zusammenhang mit der Crohn-Krankheit bestätigt, könnte das ein Problem für die Milchwirtschaft werden: Infizierte Tiere scheiden MAP auch über die Milch aus, und Pasteurisieren tötet die Keime nicht zuverlässig ab.





