Die molekulare Struktur eines Antikörpers, der sich als wirksam gegen eine HIV-Infektion erwiesen hat, ist jetzt aufgeklärt. Dabei handelt es sich um ein Immunglobulin, das an Oberflächenstrukturen verschiedener HIV-Varianten bindet und dadurch das Eindringen der Viren in die Wirtszellen verhindert. Anhand der räumlichen Struktur der Bindungsstelle wollen die Wissenschaftler der Oxford University und des Scripps Research Institute in La Jolla einen synthetischen Impfstoff gegen AIDS herstellen. Ihre Ergebnisse erscheinen im Fachblatt Science .
Das Forschungsobjekt, ein als b12 bezeichneter Antikörper, stammt ursprünglich aus dem Knochenmark eines HIV-positiven Mannes, der seit sechs Jahren keine AIDS-Symptome zeigt. Dieser Patient hatte eine sehr selten auftretende Immunität gegen die Immunschwächekrankheit entwickelt.
AIDS-Viren infizieren Zellen des Immunsystems, indem sie an bestimmte Oberflächenproteine, so genannte CD4-Rezeptoren, andocken. Erst danach sind sie in der Lage, durch die Membran in die Zelle einzudringen. Das Immunglobulin b12 bindet an einer Stelle der Virushülle, die für den Kontakt mit dem CD4-Rezeptor notwendig ist und verhindert damit eine Infektion. Das besondere an diesem Antikörper ist seine Fähigkeit, eine Vielzahl verschiedener HIV-Typen auf diese Weise zu inaktivieren. Das ist die Voraussetzung für einen wirksamen Infektionsschutz. Ziel der Forscher ist es nun, einen Impfstoff herzustellen, der die Bildung solcher Antikörper bewirkt. Dazu ist die jetzt aufgeklärte Struktur der Rezeptorbindungsstelle ein erster Schritt.
Allein im vergangenen Jahr starben 2,8 Millionen Menschen an AIDS. Zwei Drittel aller Infizierten, das sind 24,5 Millionen Menschen, leben in Afrika. In den südlichen Ländern dieses Kontinents sind ein Drittel aller Schwangeren infiziert.
Joachim Czichos





