Im Hirn “großreinemachen” und schädliche Ablagerungen beseitigen: Solche Aktionen initiiert ein jetzt von US-Forschern entdecktes Molekül. Das so genannte TGF-b1 regt die Mikroglia-Zellen des Hirns an, so dass sie die für Alzheimer typischen Eiweiß-Ablagerungen abbauen.
Bisher hatten Neurologen von aktivierten Mikroglia-Zellen in erster Linie vermutet, dass sie Entzündungen anfachen und den Krankheitsverlauf beschleunigen. Die Entdeckung zeigt einen neuen Weg auf, die Ablagerungen im Hirn direkt anzugreifen. “Man dachte immer, Entzündungen und Mikroglia-Aktivierung seien schlecht”, erklärt Tony Wyss-Coray vom Gladstone Institute of Neurological Disease und der University of California, San Francisco (UCSF). “Aber wir konnten zeigen, dass Mikroglia-Aktivität hilfreich sein kann, wenn sie durch TGF-b1 stimuliert wird.”
Der Neurologie-Professor und sein Team hatten überraschend festgestellt, dass bei bestimmten Labormäusen die Menge der Alzheimer-typischen Ablagerungen nachließen. Durch die Erkrankung lagern sich krankhafte Eiweißkörper namens Amyloid-Beta in so genannten Plaques im Hirn ab. Bei gentechnisch veränderten Mäusen, die sowohl menschliches b-Amyloid und TGF-b1 produzierten, sorgten erhöhte TGF-b1-Werte für um 75 Prozent verringerte Plaques. Insgesamt sank der b-Amyloid-Wert um 60 Prozent, im Vergleich zu Mäusen einer Vergleichsgruppe, so der Bericht im Fachblatt Nature Medicine.
Die Forscher überprüften ihre Erkenntnisse auch in der Laborschale. Tatsächlich reagierten Mikroglia-Zellen auf die Gabe des Moleküls. Achtzehn Stunden, nachdem man einem Miteinander aus Mikroglia-Zellen und b-Amyloid eine Dosis TGF-b1 zugegeben hatte, hatten die Zellen den größte Teil des Amyloids in der Schale zerstört.
Das erfolgreiche Molekül hat allerdings auch zahlreiche andere Nebenwirkungen, so dass es sich vermutlich nicht am Menschen einsetzen lässt. Doch hoffen die Neurologen herauszufinden, welche Wirkstoffe die Mikroglia-Zellen durch die TGF-b1-Stimulation produzieren. Solche Substanzen könnten in Zukunft die Plaques im Hirn beseitigen helfen oder ihre Anlagerung von vornherein verhindern, so Wyss-Coray.
Dörte Saße





