Eine hochwirksame Substanz für die Anti-Krebs-Behandlung haben Wissenschaftler der Ohio State University synthetisiert. Sie bauten eine natürliche Substanz, die von erdenbewohnenden Bakterien hergestellt wird, künstlich nach. Das künstliche Gegenstück war notwendig, weil die bakterielle Vorlage für den medizinischen Einsatz zu schnell zerfällt, berichten sie in der Fachzeitschrift Angewandte Chemie.
Die Chemiker um Rob Coleman bauten die wirksame Substanz Azinomycin A Atom für Atom nach dem Vorbild der natürlich vorkommenden Substanz nach. Bereits 1987 hatten japanische Forschungsarbeiten die Leistungsfähigkeit des Anti-Krebs-Mittels in Tierversuchen erfolgreich getestet. Für klinische Studien war das Molekül aber zu unbeständig und zerfiel innerhalb kürzester Zeit.
Nun hat das Forschungsteam eine synthetische Form von Azinomycin erstellt, die mit der natürlichen absolut identisch ist. Dass beide Stoffe chemisch nicht voneinander zu unterscheiden sind, konnten sie anhand eines Vergleichs mit dem Original, das sie aus Bakterien isolieren konnten, nachweisen.
Der nächste Schritt liegt in der Aufklärung seiner geheimnisvollen Wirkung. Bislang spekulieren die Forscher, dass der chemische Stoff die Erbinformation DNA attackiert, indem er sehr feste Bindungen mit der Helix eingeht. Auch wollen sie nachforschen, warum die natürliche Form so instabil ist. Der künstliche Nachbau könnte zu einer neuen Generation von in der Chemotherapie eingesetzten Medikamenten führen.
Dr. Dagmar Knopf





