Das Bakterium Spiroplasma poulsonii ist nur für männliche Fruchtfliegen tödlich. Für weibliche Tiere ist es hingegen unschädlich. Ein bestimmter Gendefekt kann die Männchen jedoch unempfindlich gegenüber den Erregern machen ? allerdings nur bis zu einem bestimmten Larvenstadium. Diese Mutationen befinden sich in den Genen, die dafür verantwortlich sind, dass ein Embryo zum Männchen wird. Das hat ein Forscherteam um Zoe Veneti von dem Universitätscollege in London herausgefunden. Die Wissenschaftler haben damit die Mechanismen näher aufgeklärt, nach denen solche je nach Geschlecht unterschiedlich aktiven Erreger wirken. Ihre Ergebnisse schildern die Forscher in der Fachzeitschrift Science (Bd. 307, S. 1461).
Ob sich ein befruchtetes Ei einer Fruchtfliege (Drososphila melanogaster) zu einem männlichen oder einem weiblichen Tier entwickelt, bestimmt die Anzahl der weiblichen Geschlechtschromosomen (X-Chromosomen). Männliche Fruchtfliegen besitzen genau ein X-Chromosom. Damit unterscheiden sie sich von den Weibchen, die zwei besitzen. Um diesen Unterschied auszugleichen, leistet das eine X-Chromosom der Männchen doppelt so viel wie ein einzelnes bei den Weibchen. Dazu muss sich ein Zusammenschluss von verschiedenen Proteinen, der so genannte Dosiskompensationskomplex (DCC), an das Chromosom anlagern.
Die Information für die Herstellung dieser Proteine des DCC sind in verschiedenen Genen enthalten, die jedoch nur in männlichen Tieren aktiv sind. In seiner Studie hat das Forscherteam diese Gene gezielt verändert und die genetisch veränderten Tiere mit Spiroplasma poulsonii infiziert. Die Fruchtfliegen-Männchen überlebten die Infektion nun bis zum Larvenstadium und starben nicht bereits als Embryo. Genauso lange lebten auch Fruchtfliegen mit denselben Mutationen, die jedoch nicht mit dem Erreger in Kontakt kamen.
Bakterien, die speziell männliche Tiere töten, sind der Forschung schon lange bekannt. Sie wurden vor mehr als 50 Jahren bei Drosophila entdeckt. Neben der Fruchtfliege infizieren solche Bakterien noch viele weitere Insektenarten. Sie sind dafür verantwortlich, dass das bei manchen dieser Arten 100 Weibchen auf ein männliches Tier kommen.
ddp/wissenschaft.de ? Sonja Huhndorf





