Noch bilden sie kostbare Elemente in der mediterranen Lebenswelt: Die Wälder der Region sind die Heimat einer vielfältigen Pflanzen- und Tiergesellschaft und erbringen zudem wichtige Ökosystemleistungen. Sie schützen den Boden vor Erosion, regulieren den Wasserhaushalt sowie das regionale Klima und fungieren als Nahrungs- und Holzlieferanten. Die zu Extremen neigenden Klimabedingungen in der Mittelmeerregion stellen für die Wälder allerdings eine erhebliche Herausforderung dar. „Angesichts des durch den Menschen verursachten CO2-Ausstoßes und der damit verbundenen Erderwärmung wächst die Sorge um ihren Fortbestand“, sagt Erst-Autor Andreas Koutsodendris von der Universität Heidelberg. Bisher blieb allerdings unklar, welchen Toleranzbereich die mediterranen Wälder bezüglich Trockenheit tatsächlich aufweisen könnten.
Im Spiegel fossiler Pollenkörner
Dieser Frage sind Koutsodendris und seine internationalen Kollegen nun durch einen tiefen Blick in die Vergangenheit nachgegangen: Um nachzuvollziehen, wie mediterrane Wälder einst auf klimatische Veränderungen reagierten, haben sie Bohrkerne untersucht, die von einem speziellen Probenahmeort im Nordosten Griechenlands stammen: In Tenaghi Philippon hat sich im Untergrund ein terrestrisches Archiv mit detaillierten Informationen aus der Vergangenheit gebildet. Die Bohrkerne der Forscher umfassten dabei den Zeitraum der vergangenen 500.000 Jahre.
Auskunft über die Vegetation in den datierbaren Schichten konnten dabei fossile Pollenkörner liefern, die sich bestimmten Pflanzen zuordnen lassen. Hinweise auf die zeitgleichen Niederschlagsmengen konnten die Wissenschaftler aus bestimmten geochemischen Spuren in dem Probematerial gewinnen. Wie das Team berichtet, zeichnete sich am Verschwinden der für Baumarten typischen Pollen im Zusammenhang mit den Niederschlagswerten deutlich ab: Die mediterranen Waldlandschaften verwandelten sich in der Vergangenheit in Steppen, sobald bestimmte Schwellenwerte bei den Niederschlägen unterschritten wurden.
Kritisches Niveau in Sicht
„In der Vergangenheit hat unter natürlichen Bedingungen ein Rückgang der Regenmenge um 40 bis 45 Prozent ausgereicht, um den plötzlichen Übergang von einer Wald- in eine Steppenlandschaft einzuläuten“, resümiert Koutsodendris. Die Entwicklungen vollzogen sich dann recht schnell – innerhalb weniger Jahrzehnte. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Wechsel von Wald- zu Steppenbiomen in den letzten 500.000 Jahren recht abrupt erfolgte und nicht als allmählicher Rückgang der Waldbedeckung“, schreiben die Forscher.
Ihre Untersuchungsergebnisse deuten somit darauf hin, dass bei anhaltender Trockenheit – wie sie aktuelle Klimamodellierungen vorhersagen – in der nahen Zukunft mit einer Versteppung der Wälder im Mittelmeerraum zu rechnen ist. “Das Wasserdefizit in Kombination mit dem zunehmenden Druck des Menschen auf die mediterranen Ökosysteme gibt Anlass zur Sorge, dass die für den Fortbestand die Wälder erforderliche Feuchtigkeitsschwelle unterschritten wird“, schreiben die Wissenschaftler. Um zumindest gegenzusteuern und die Widerstandsfähigkeit der mediterranen Wälder gegenüber den Klimawandelfolgen zu erhöhen, sollten deshalb nun Maßnahmen zu ihrem Schutz ergriffen werden.





