Typisch für das mediterrane Klima ist ein trockener, heißer Sommer und ein milder Winter, in dem der Hauptanteil der Jahresniederschläge fällt. Bleibt dieser Regen aus oder fällt spärlicher als normal, ist ein akuter Wassermangel die Folge. Schon jetzt zeigen Studien, dass viele Mittelmeer-Anrainerstaaten schon mehr als 80 Prozent ihrer Grundwasserreserven aufgebraucht haben und in fast jedem Jahr unter akutem Wassermangel leiden. Die Levante leidet sogar unter der schwersten Dürre seit 900 Jahren. Prognosen der Klimaforscher zeigen zudem, dass der Mittelmeerraum schon bei einer Erwärmung um 1,5 Grad gegenüber präindustriellen Werten in ein neues, trockeneres Klimaregime eintreten könnte. Ab einer Erwärmung um zwei Grad könnten weite Teile Südspaniens zur Wüste werden. In anderen Gebieten würden immergrüne Wälder von spärlicher Trockenvegetation abgelöst.
Zeitspanne reicht von Jahren bis Jahrhunderten
Doch viele dieser Prognosen legen die Entwicklung der globalen jährlichen Mitteltemperatur als Maß der Erwärmung zugrunde. Das jedoch greift möglicherweise zu kurz, wie nun Guiseppe Zappa von der University of Reading und seine Kollegen berichten. “Es wird allgemein angenommen, dass Veränderungen der Wasserverfügbarkeit proportional zur globalen Erwärmung verlaufen”, erklären sie. Doch es gebe zusätzliche Effekte, beispielsweise durch die Veränderungen des Strahlungseinfalls oder der regionalen Zirkulation, die weit schnellere Folge nach sich ziehen. Die zunehmenden Treibhausgaswerte in der Atmosphäre können daher lokale Klimabedingungen einerseits fast sofort – in der Spanne weniger Jahre – beeinflussen oder aber allmählich über mehrere Jahrzehnte oder Jahrhunderte hinweg. Welche Zeitskala für die Niederschläge und das Klima im Mittelmeerraum und ähnlichen Klimazonen gelten, wurde jedoch bislang kaum untersucht.
Das haben Zappa und sein Team nun nachgeholt. Für ihre Studie nutzten sie mehrere Modellsimulationen, um die Veränderungen der Jahresniederschläge im Mittelmeerraum, sowie in zwei klimatisch ähnlichen Gebieten in Chile und in Kalifornien zu rekonstruieren. Dabei untersuchten sie gezielt, wie sich die Niederschläge bei gemäßigtem Klimawandel nach dem Emissionsszenario RCP 4.5 bis 2100 entwickeln und vor allem, wie schnell und durch welche Einflussfaktoren dies geschieht. Das Szenario RCP 4.5 geht davon aus, dass die CO”-Emissionen bis 2100 auf 650 ppm ansteigen und sich die globale Jahresmitteltemperatur dadurch um 2,6 Grad gegenüber den vorindustriellen Werten erhöht.
Schnelle Reaktion
Die Auswertungen ergaben: Während sich die Niederschläge in höheren Breiten annähernd linear mit der Erwärmung der Erdoberfläche entwickeln, ist dies am Mittelmeer und den anderen Regionen mit mediterranem Klimamuster nicht der Fall. “Im Mittelmeerraum und in Chile schreitet die Austrocknung substanziell schneller voran als die globale Erwärmung”, berichten Zappa und seine Kollegen. Statt sich linear zum globalen Anstieg der Mitteltemperaturen zu entwickeln, folgen die Niederschläge in diesen Klimazonen dem Anstieg der Treibhausgasemissionen innerhalb weniger Jahre. Als Ursache dafür identifizierten die Forscher rasche Veränderungen der Meerestemperaturen und damit verbunden der atmosphärischen Zirkulation. So sei bereits bekannt, dass sich unter dem Einfluss des Klimawandels die Westwindzonen der gemäßigten Breiten weiter polwärts verschieben, erklären die Forscher. Dies führt unter anderem dazu, dass regenreiche Tiefdruckgebiete im Winter nicht mehr so häufig über den Mittelmeerraum hinwegziehen.





