Lebensbedrohliche allergische Reaktionen auf Erdnüsse könnten in Zukunft möglicherweise durch ein Medikament verhindert werden. Injektionen mit TNX-901 machen Erdnussallergiker unempfindlicher gegen die in Erdnüssen enthaltenen allergieauslösenden Stoffe, konnten amerikanische Mediziner in einer ersten Studie zeigen. Über ihre Ergebnisse berichten sie in der Fachzeitschrift New England Journal of Medicine (Ausgabe vom 14. März).
TNX-901 ist ein gentechnisch hergestellter Antikörper, der verhindert, dass das Immunsystem der Betroffenen überreagiert. Damit müssten Erdnussallergiker nicht mehr mit der ständigen Angst leben, mit der Nahrung versteckte Allergene zu sich zu nehmen, die zu Symptomen wie Übelkeit, Ausschlag, einem allergischen Schock oder im Extremfall sogar zum Tod führen können.
Das Forschungsteam um Donald Leung vom National Jewish Medical and ResearchCenter in Denver und Hugh Sampson von der Mount Sinai School of Medicine in New York testeten das Mittel an mehr als achtzig Erdnussallergikern im Alter von zwölf bis sechzig Jahren. Sie gaben ihnen im Abstand von jeweils einem Monat vier Injektionen TNX-901 oder ein wirkungsloses Placebo.
Die Empfindlichkeit der Versuchspersonen, die TNX-901 bekommen hatten, nahm enorm ab. Nebenwirkungen stellten die Forscher dabei nicht fest. Je höher die Dosis TNX-901 war, desto mehr Erdnüsse konnten die Versuchsteilnehmer konsumieren, bis eine allergische Reaktion auftrat. Erdnussallergiker, die die höchste Dosis bekommen hatten, konnten im Schnitt mehr als die fünfzehnfache Menge zu sich nehmen wie vor der Behandlung. Knapp ein Viertel vertrug sogar 24 Erdnüsse, was etwa der vierzigfachen Menge entspricht.
Weitere Studien werden nun die ersten vielversprechenden Ergebnisse bestätigen müssen. TNX-901 wäre das erste vorbeugende Medikament gegen die zum Teil schwerwiegende Allergie. Bislang hilft den Betroffen lediglich, Erdnüsse zu vermeiden. Dies ist allerdings nicht einfach, da schon kleinste Mengen eine allergische Reaktion hervorrufen können und Erdnussproteine häufig in Lebensmitteln versteckt sind, ohne auf der Verpackung angegeben zu sein. Heilen kann das Mittel allerdings nicht. Daher wären kontinuierliche Injektionen nötig, und die Patienten müssten nach wie vor darauf achten, was sie essen.
ddp/bdw ? Cornelia Pfaff





