Die Forscher haben für ihre Studie die ISOs bei Nilkrokodilen ( Crocodylus niloticus ) und Brillenkaimanen ( Caiman crocodilus ) untersucht. Ihre molekularen Analysen zeigten, dass die Nerven darin Eigenschaften besitzen, die eine Sensibilität gegenüber Druck, Temperatur und den chemischen Eigenschaften von Wasser nahelegen. Dies konnten die Forscher durch anschließende Versuche auch experimentell belegen: Die Nerven reagierten auf entsprechende Reize mit elektrischen Impulsen. Unter natürlichen Bedingungen erreichen diese das Gehirn des Tieres und lösen dann die jeweiligen Verhaltensweisen aus.
Gepanzerte Sensibelchen
Die Druckempfindlichkeit der ISOs kann dem Krokodil nicht nur bei direkten Berührungen der Haut Informationen über seine Umwelt vermitteln: Die Sensoren sind so fein, dass vermutlich bereits Druckschwankungen durch Wasserbewegungen, wie sie beispielsweise durch Fische ausgelöst werden, einem Krokodil die Nähe von Beutetieren verraten können. Die thermische Empfindsamkeit der ISOs könnte für die Einstellung der richtigen Körpertemperatur der wechselwarmen Reptilien wichtig sein, vermuten die Wissenschaftler: Aufwärmen durch ein Sonnenbad oder Abkühlen im Wasser – die ISOs melden, wann was angesagt ist. Die Sensibilität gegenüber den chemischen Eigenschaften von Wasser sei darüber hinaus wahrscheinlich ein Informationssystem, das den Krokodilen dabei hilft, geeignete Lebensräume zu erkennen.
“ISO-Sensoren sind nicht nur bemerkenswert, weil sie viele verschiedene Arten von physikalischen und chemischen Reizen erfassen können, sondern auch, weil kein anderes Wirbeltier etwas vergleichbares entwickelt hat. Durch sie können Krokodile gleichzeitig stark gepanzert sein und dennoch eine sensible Körperoberfläche besitzen”, resümiert Milinkovitch.





