Vier Fünftel aller Neuerblindeten weltweit könnten bei richtiger Vorsorge heute noch sehen. Physiker und Augenärzte stellten auf einer Konferenz in Edinburgh neue Vorsorge-Methoden vor, mit denen sich frühzeitig Grüner und Grauer Star sowie drohende Erblindung bei Zuckerkranken erkennen lassen. Über dieses Treffen berichtet das Fachblatt “Physics World” (Ausgabe August 2002)
Joanne Lawlor von der Heriot-Watt University in Edinburgh greift für ihre Untersuchung auf eine etablierte Satelliten-Technik für die Fernerkundung der Erde zurück. Mit diesem “hyperspektralen Bildgebungsverfahren” gewinnen Geologen aus dem All Hinweise auf Erzlagerstätten oder Ölvorkommen auf der Erde. Diese Technik, die über die spezielle Reflektion von Licht mit hunderten verschiedenen Wellenlängen die Erdoberfläche scannt, kann auch erste krankhafte Veränderungen auf dem Augenhintergrund erkennen.
Offenbaren sich dem Augenarzt durch die normale Ausleuchtung der Retina lockere Auswölbungen, Gefäßerweiterungen oder gar Löcher erst relativ spät, soll er mit der Hyperspektral-Methode bereits die Vorzeichen irreparabler Schäden entdecken. Blaues Licht wird direkt von der Oberfläche der nur einen halben Millimeter dicken Retina reflektiert und zeigt so speziell den Zustand der Nervenzellen. Grünes Licht dringt tiefer ein und gibt über sein Reflektionsverhalten Aufschlüsse über den Zustand der Photorezeptoren, den Zapfen und Stäbchen.
Ein hochauflösender CCD-Chip mit ein bis zwei Millionen Pixeln fängt das zurückgestreute Licht auf. Aus diesen Daten erkennen die Forscher auch geschädigte Blutgefäße, die wegen ihres geringen Sauerstoffgehalts rotes Licht stärker absorbieren als gesunde Adern.
Die häufigste, meistens erst spät diagnostizierte Ursache für Blindheit, das Glaukom, verursacht meist ein erhöhter Druck im Augapfel. Winzige strukturelle Veränderungen in der Nähe des Kontaktpunktes für den Augennerv gelten als empfindliche Frühzeichen für das Glaukom. Doch die bleiben dem Arzt mit den heute gängigen Methoden häufig verborgen. Erst eine Beleuchtung mit rotem Licht macht die marginalen Veränderungen deutlicher.
Jan Oliver Löfken





