US-Forscher haben eine Creme gegen Nickelallergien entwickelt: Sie fängt mit Hilfe von Nanopartikeln die für die Hautreaktion verantwortlichen Metallionen ein, noch bevor diese die Haut durchdringen. So verhindert sie Hautreizungen durch die Nickelteilchen, die sich aus vielen Metalllegierungen lösen, wie sie beispielsweise bei Schmuck oder Geldmünzen verwendet werden. Das Geheimnis der Nanopartikel ist dabei die enorme Gesamtoberfläche, die sie bilden: Die unzähligen winzigen Teilchen erzeugen über Kalzium auf ihren Oberflächen ein starkes Bindungsvermögen gegenüber den Nickelionen. Die Nanopartikel sind dabei selbst immer noch so groß, dass sie die Haut nicht durchdringen, erklären die Wissenschaftler. In Tierversuchen hat die Creme bereits ihre Wirksamkeit erwiesen, nun sollen weitere Studien folgen. Die Nanotech-Creme könnte Millionen von Menschen weltweit helfen, die unter Rötung und Juckreiz bei Kontakt mit Nickel leiden, sagen die Wissenschaftler um Jeffrey Karp von der Harvard Medical School.
Nickel ist bei speziellen Metalllegierungen ein wichtiger Bestandteil und wird deshalb in großem Maße industriell verarbeitet. So findet es sich auch in vielen Gegenständen, die mit der Haut in Berührung kommen, beispielsweise Schmuck, Münzen, Knöpfen, Gürtelschnallen, Brillengestellen und vielem mehr. Etwa zehn bis fünfzehn Prozent der Menschen reagieren Schätzungen zufolge beim Kontakt mit diesen Objekten allergisch. Der leicht saure Schweiß der Haut kann Nickelionen aus Metall lösen, die dann die Haut durchdringen. Bei Menschen mit einer entsprechenden Veranlagung reagiert das Abwehrsystem dann auf diese Nickelionen. Das Resultat sind juckende, gerötete und geschwollene Hautreizungen. Studienleiter Jeffrey Karp ist nach eigener Aussage selbst von einer Nickelallergie betroffen.
Das Grundprinzip der neuen Creme beruht auf der Fähigkeit von Kalzium, Nickelionen zu binden. Die Forscher setzen für die Creme Nanopartikel mit Kalziumoberflächen ein, die bereits auf Verträglichkeit geprüft und zugelassen sind. Die Teilchen haben eine Größe von etwa 500 Nanometern. Das heißt, etwa zweitausend von ihnen ergeben zusammengenommen den Durchmesser eines menschlichen Haares. Ist die Haut mit einer dünnen Schicht aus Fett und diesen Nanopartikeln überzogen, werden bei Kontakt mit nickelhaltigen Oberflächen die entstehenden Ionen an die Kalziummoleküle gebunden und können dadurch nicht die Haut durchdringen. Dass dieses Konzept funktioniert, konnten die Forscher bereits an Tieren zeigen, die ebenfalls auf Nickel allergisch reagieren.
Bis die Creme auf den Markt kommt, müssen nun jedoch noch weitere Untersuchungen folgen. “Aber bald könnten Nickelallergiker sich einfach die Haut eincremen, wenn sie gezwungen sind, mit nickelhaltigen Substanzen umzugehen”, sagt Co-Autor Praveen Kumar von der Harvard Medical School in Boston. Das sei wirkungsvoller und auch praktischer als der von Betroffenen häufig verwendete Trick, nickelhaltige Gegenstände mit Nagellack einzupinseln.
Das Team um Jeffrey Karp von der Harvard Medical School in Boston präsentieren die Neuentwicklung im Fachmagazin Nature Nanotechnology, doi: 10.1038/NNANO.2011.37 wissenschaft.de ? Martin Vieweg





