Immer mal wieder liegt ein toter Vogel oder eine noch zuckende Maus auf dem Küchenboden oder im Vorgarten: Auf die „Trophäen“, die „Miezi“ gelegentlich anschleppt, blicken viele Katzenhalter traurig, denn sie wollen nicht, dass ihr Liebling die tierische Nachbarschaft bedroht. Tatsächlich handelt es sich dabei auch um ein erhebliches Naturschutzproblem: Die häufig unnatürlich hohen Bestände der Hauskatzen können Wildtierpopulationen im Siedlungsbereich stark dezimieren, zeigen Studien. Doch wie lässt sich diesem Problem entgegentreten?
Wenn Stubentiger Wildtiere terrorisieren
Um Freigänger-Katzen das Jagdglück zu vermiesen, kann man ihnen bunte Halsbänder oder Glöckchen umhängen. Doch diese invasiven Maßnahmen sind problematisch: Die Wirkung auf den Jagderfolg ist beschränkt und viele Katzen reagieren irritiert auf die Eingriffe. Viele Besitzer wollen das natürliche Verhalten ihrer Katze auch nicht stören oder sind besorgt über Risiken – denn an Halsbändern können die Tiere hängen bleiben. Vor diesem Hintergrund haben die Forscher um Martina Cecchetti von der University of Exeter nun das Potenzial weniger invasiver Maßnahmen ausgelotet. In ihrem Fokus stand dabei die Frage, inwieweit sich die Ernährung von Hauskatzen und das Spielangebot günstig auf den Jagdtrieb auswirken können.
An der Studie mit einer Laufzeit von zwölf Wochen nahmen 219 Haushalte im Südwesten Englands mit insgesamt 355 Katzen teil. Bei einigen wurde der Effekt der Ernährung und bei anderen des Spielangebots untersucht. Zunächst erfassten die Forscher durch die Unterstützung der Halter, wie viele Beutetiere die Katzen vor den Maßnahmen von ihren Ausflügen in der Nachbarschaft zurück nach Hause brachten. Durch den Vergleich mit der Anzahl der „Trophäen“ während der Test-Maßnahmen ließen sich somit deren Effekte erfassen.
Der Jagdtrieb geht zurück
Bei den Fütterungsversuchen zeigte sich: Im Vergleich zu Katzennahrung mit einem vergleichsweise hohen Anteil an Zusatzstoffen oder pflanzlichen Proteinen zeigten Futtermittel mit viel Fleisch einen deutlich günstigeren Effekt: Die Anzahl der Beutetiere, welche die Katzen ihren Besitzern zu Hause anschleppten, ging um 36 Prozent zurück, ergaben die Auswertungen. “Einige Katzennahrungen enthalten Proteine aus pflanzlichen Quellen wie Soja. Es ist möglich, dass diese Nahrungsmittel trotz der Gewährleistung einer ausreichenden Ernährung bei einigen Katzen einen Mangel an einem oder mehreren Mikronährstoffen verursachen – was sie dann zum Jagen veranlasst”, erklärt Cecchetti zum möglichen Hintergrund des Effekts.
Wie die Forscher berichten, zeigte sich auch bei der Spiel-Gruppe ein positiver Effekt. Im Rahmen der Testphase kam ein typisches Katzenspielzeug zum Einsatz, bei der die Halter ein Federknäuel von einer Art Angel baumeln ließen: Mit Freude pirschten sich die Stubentiger an diese Objekte heran, jagen ihnen hinterher und stürzen sich auf sie. Die Besitzer gaben den Katzen anschließend auch ein mausähnliches Spielzeug, mit dem sie nach jeder “erfolgreichen Jagd” weiter spielen konnten, um eine echte Beute zu imitieren. Wie die Wissenschaftler berichten, reichten im Vergleich zu den Kontrollen schon fünf bis zehn Minuten Spielzeit pro Tag aus, um die Raubzüge in der Nachbarschaft deutlich einzuschränken: Die Besitzer fanden 25 Prozent weniger Beutetiere auf Küchenboden, Veranda und Co.





