Mammuts waren die schwereren, zotteligen Cousins unserer heutigen Elefanten und perfekt an die harten Bedingungen der Eiszeit angepasst. Noch bis vor etwa 20.000 Jahren zogen Wollhaarmammuts (Mammuthus primigenius) in großen Herden über die Kältesteppen Europas, Nordamerikas und Asiens. Unsere Vorfahren porträtierten diese Riesen der Eiszeit in vielen ihrer Höhlenmalereien, waren die Mammuts doch eine wichtige Jagdbeute für sie. Aus zahlreichen im Permafrost gefundenen Fossilien ist heute vieles über Aussehen und Biologie dieser Tiere bekannt, auch die DNA einiger Mammut-Exemplare konnten Wissenschaftler zumindest in Teilen gewinnen und analysieren. Dennoch bergen die eiszeitlichen Rüsseltiere noch einige Geheimnisse. “Weil die Mammuts heute ausgestorben sind, wissen wir nur wenig über ihre Lebensweise, darunter die Größe ihrer Verbreitungsgebiete oder das Ausmaß ihrer Wanderungen”, erklären Matthew Wooller von der University of Alaska in Fairbanks und seine Kollegen.
Isotopen im Stoßzahn als “Tagebuch”
Dem Team ist es erstmals gelungen, die Lebenswanderung eines Wollhaarmammuts zu rekonstruieren – von seiner Geburt über Jugend und Erwachsenenalter bis zum frühen Tod mit nur 28 Jahren. Möglich wurde dies durch die 17.000 Jahre alten Überreste samt Stoßzähnen dieses Mammuts, die im hohen Norden Alaskas jenseits des Polarkreises gefunden wurden. Wie bei heutigen Elefanten wachsen die Stoßzähne eines Mammuts langsam und lagern dabei Jahresringe im Elfenbein an. “Vom Moment ihrer Geburt bis zum Tag ihres Todes tragen sie ein Tagebuch mit sich herum, eingeschrieben in ihren Stoßzähnen”, sagt Patrick Druckenmiller vom University of Alaska Museum of the North. Das Verhältnis der Strontium-Isotope 87Sr und 86Sr in den dünnen Wachstumsschichten des Stoßzahns spiegeln wider, wo sich das Mammut zu verschiedenen Zeiten seines Lebens aufgehalten hat. Weil die Böden und Pflanzen je nach Region unterschiedliche Isotopenverhältnisse aufweisen, nimmt das Tier mit seiner Nahrung die jeweils ortspezifische Mischung auf und lagert sie in den wachsenden Stoßzähnen ein.

Für ihre Studie spalteten die Forscher den 2,40 Meter langen Stoßzahn des Mammuts und beprobten die Isotopenverteilung mit besonders hochauflösenden Trenn- und Analysemethoden. Das Resultat waren rund 340.000 einzelne Isotopen-Messdaten, die es ihnen erlaubten, die Aufenthaltsorte des Wollhaarmammuts fast bis auf die Woche genau nachzuvollziehen. Zusätzlich analysierten Wooller und sein Team auch die Sauerstoff- und Stickstoff-Isotope im Elfenbein, weil diese Auskunft über die Klimaverhältnisse und den Zustand des Mammuts geben können. DNA-Analysen hatten zuvor schon ergeben, dass es sich bei dem Tier um ein Männchen handelte.





