Ein von Medizinern der Universität Innsbruck entwickelter Überdruckhelm könnte höhenkranken Bergsteigern künftig das Leben retten. Über eine hand- oder fußbetriebene Luftpumpe wird in dem nur wenige Kilogramm schweren Helm ein Überdruck aufgebaut, so dass dem Träger mehr Sauerstoff für die Atmung zur Verfügung steht. In ersten Tests bei einer Expedition auf den 7.134 Meter hohen Pik Lenin in Kirgisistan hat der Helm bereits seine Tauglichkeit bewiesen.
Die akute Höhenkrankheit fordert immer wieder Opfer unter Höhenbergsteigern. Lebensbedrohlich sind vor allem Lungenödeme, bei dem sich aufgrund von Sauerstoffmangel Wasser in der Lunge ansammelt. Die Folge ist, dass die Lunge immer weniger Sauerstoff aufnehmen kann, so dass der Patient erstickt. “Ab einer Höhe von 3.500 Metern entwickeln fünf von hundert Bergsteigern ein Höhenlungenödem, das in vielen Fällen zum Tod führt”, erklärt Robert Koch, der mit seinem Team den Überdruckhelm entwickelt und erprobt hat.
Die Entwicklung basiert auf so genannten CPAP-Helmen, wie sie in der Intensivmedizin bereits seit einigen Jahren eingesetzt werden. Bei dieser Technik wird der Patient nicht aktiv beatmet, sondern es wird lediglich die eigene Atmung des Kranken unterstützt. Der Überdruckhelm für Bergsteiger wird komplett über den Kopf gezogen und schließt an den Schultern zum Körper hin weitgehend luftdicht ab. Durch sein geringes Gewicht und seine einfache Handhabung eigne sich der Helm selbst für extreme Expeditionen in großen Höhen ? im Gegensatz zu den bereits erhältlichen Überdrucksäcken, die viel schwerer sind und von mehreren Helfern bedient werden müssen, so die Forscher. Ein weiterer Vorteil des Helms sei, dass der Patient mit dem Helm beweglich bleibt und je nach den örtlichen Gegebenheiten sogar talwärts transportiert werden kann.
Bei einer Expedition im zentralasiatischen Pamir-Gebirge erprobten die österreichischen Forscher den Helm nun in verschiedenen Höhen auf seine Tauglichkeit. Die Auswertung der Daten ergab, dass sich mit dem Helm die Sauerstoffsättigung deutlich verbessern lässt. Auch in dem akuten Notfall eines höhenkranken deutschen Bergsteigers sei der Helm erfolgreich eingesetzt worden, berichten die Wissenschaftler.
Mitteilung der Universität Innsbruck ddp/wissenschaft.de ? Ulrich Dewald





