Bäume, Sträucher und sogar Felsgesteine könnten systematisch als Düngemittel-Ersatz in Afrika eingesetzt werden. Dadurch könnte der Ertrag der Getreideernten um das Zwei- bis Vierfache gesteigert werden. Dies belegt eine Studie von Pedro Sanchez, derzeit Gastprofessor im Institut für Umweltwissenschaft der University of California in Berkeley. Seine Ergebnisse hat der Wissenschaftler im Fachblatt “Science” (15.03.02) veröffentlicht.
In vielen afrikanischen Ländern sind die geringen Getreideerträge das Haupthindernis dafür, dass diese Länder ihre eigene Bevölkerung ernähren könnten. Der Einsatz von kommerziellen Düngemitteln, die den Ertrag erhöhen könnten, ist für afrikanische Bauern zu teuer. Das liegt nicht zuletzt an der schlechten Infrastruktur in Afrika, die allein schon den Transport von Düngemitteln verteuert.
Pedro Sanchez hat vor 10 Jahren begonnen, in Afrika Alternativdüngemittel zu entwickeln. Eine Methode besteht darin, so genannte Leguminosen, Hülsenfruchtbäume, zwischen jungen Mais zu pflanzen. Da die Bäume langsam wachsen, konkurrieren sie nicht mit dem gepflanzten Mais. Wenn der Mais abgeerntet ist, lässt man die Bäume die nachfolgende Trockenperiode über weiter wachsen. Am Ende der Trockenperiode und vor dem nächsten Anpflanzen von Mais fällt man die Bäume und lässt die Stämme, Wurzeln und Blätter verfaulen, so dass mit den angesammelten Nitraten der Boden angereichert wird.
“Leguminosen bilden die einzige Pflanzenfamilie, die Nitrogen aus der Luft aufnehmen kann und es in Nitrat umwandelt, also in eine Form, die Pflanzen wiederum nutzen können”, erklärt Sanchez. Er verwendete in Afrika heimische Leguminosen, etwa den Turibaum, weil diese Arten noch relativ schnell wachsen und große Mengen an atmosphärischem Nitrogen umwandeln können.
In Ostafrika, wo der Boden extrem arm an Phosphor ist, fand Sanchez einen ungewöhnlichen Ersatz-Dünger in Felsgestein. “Wir fanden zahlreiche Vorkommen von Felsphosphaten in Ost- und Südafrika”, sagt Sanchez. “In einer Stätte in Nord-Tansania fanden wir soviel, dass wir damit die phosphorarmen Böden von Kenia, Uganda und Tansania für Jahrzehnte versorgen können.”
Eine dritte Methode ist das Anpflanzen von mexikanischen Sonnenblumensträuchern (Tithonia diversifolia) zwischen dem Getreide. Diese Pflanze wurde vor Jahrhunderten in Afrika eingeführt und ist mittlerweile an zahlreichen Straßenrändern zu finden. Die Blätter des mexikanischen Sonnenblumenstrauchs setzen Phosphor, Kalium, Nitrogen und Mikronährstoffe frei, wenn sie verfaulen.
Allerdings ist nicht jede Methode in jeder Region einsetzbar, muss auch Sanchez einräumen. In semiariden Regionen von Afrika, die eine längere Trockenperiode haben, ist etwa der Nutzen von Leguminosen eingeschränkt. Daher wird die Notwendigkeit, kommerzielle Düngemittel einzusetzen, zunächst weiter bestehen.
Doris Marszk





