Ein Zeckenbiss kann sehr unangenehme Folgen haben, wenn das Tier das Bakterium Borrelia burgdorferi beherbergt. Die Folge: Borreliose. Doch wie man die Folgeerkrankung behandeln soll, diskutieren momentan zwei Arbeitsgruppen in der Fachzeitschrift New England Journal of Medicine. Während die einen den Antibiotikaeinsatz ganz ablehnen, schlagen die anderen eine frühzeitige Therapie vor.
Die Symptome akuter Borreliose, ausgelöst durch das Bakterium Borrelia burgdorferi, zeichnen sich durch eine kreisförmige Hautrötung, grippeähnliches Unwohlsein, Gelenkschmerzen und Steifheit aus. Antibiotika kurieren normalerweise die Infektion und schützen vor Langzeitschäden. Gelegentlich leiden Patienten, die sich von der akuten Phase erholt haben, am so genannten post-Borreliose-Syndrom. Charakteristisch hierfür sind chronische Muskelschmerzen, Kopfschmerzen und Müdigkeit.
Bislang ist umstritten, wie diese Langzeitschäden am besten behandelt werden sollten. Mark Klempner von der Boston University School of Medicine testete die heilsame Wirkung von Antibiotika. Sein Team arbeitete mit 107 Patienten, die das post-Borreliose-Syndrom entwickelt hatten. Die Hälfte von ihnen erhielt intravenös und oral Antibiotika, während die anderen ein Placebo einnahmen. Die Antibiotika zeigten keinerlei Effekt auf die Krankheit. In beiden Gruppen verbesserte sich das Krankheitsbild bei etwa der Hälfte der Patienten.
Eine zweite Studie griff früher in den Krankheitsverlauf ein. Ein von Robert Nedelman geführtes Team des Westchester Medical Center in New York untersuchte knapp 500 Menschen, die in den letzten 72 Stunden von einer Zecke gebissen worden waren. Wieder erhielt die Hälfte ein Antibiotikum, während die anderen ein Placebo bekamen. In diesem Fall schien das Medikament zu helfen. Nur 0,4 Prozent der ersten Gruppe entwickelte im Anschluss ein post-Borreliose-Syndrom, verglichen mit 3,2 Prozent ohne Antibiotikagabe.
So scheint eine Langzeitbehandlung mit Antibiotika nicht die Antwort auf das Syndrom zu sein. Eine prophylaktische Therapie hingegen kann den Ausbruch der Erkrankung reduzieren. Doch letztendlich tritt das Syndrom nur sehr selten auf, selbst in Westchester County, New York, – einem der höchsten Risikozentren in den USA. In Europa ist das Bild freilich anders: Dort treten verschiedene Erregertypen auf, die in den USA unbekannt sind. Entsprechend anders sind auch die Behandlungsformen.
Dr. Dagmar Knopf





