Kinder, die Opfer körperlicher Gewalt wurden, nehmen in mehrdeutigen Gesichtsausdrücken eher Ärger wahr. Das haben Psychologen von der Universität von Wisconsin in Madison anhand am Computer veränderter Portraits herausgefunden, die verschiedene Gefühlslagen ausdrückten, berichtet die Fachzeitschrift “Proceedings” (Band 99, 25. Juni) der Amerikanischen Akademie der Wissenschaften.
Seth Pollak und Doris Kistler variierten mit einer sogenannten “Morphing”-Software die Gesichtsausdrücke in den Aufnahmen zwischen Gefühlen wie Trauer und Freude oder Ärger und Furcht. Sie baten Kinder, die von ihren Eltern schwere körperliche Misshandlungen erlitten hatten, die jeweils vorherrschende Emotion herauszufinden.
Im Vergleich mit nicht misshandelten Kindern schnitten sie zwar fast gleich ab, wenn die Gesichter Fröhlichkeit mit Anteilen von Trauer oder Angst zeigten. Waren den Aufnahmen jedoch Anteile von Ärger beigemischt, erschien den missbrauchten Kindern ein Gesicht viel eher als ärgerlich ? selbst dann, wenn die Montagen eigentlich mehr Anteile einer anderen Gefühlslage zeigten.
Die Kinder hätten sich an eine Umwelt angepasst, in der Ärger häufig mit Gewalt und Verletzung verbunden ist, erklären die Wissenschaftler den Befund. Demnach wirkt sich körperlicher Missbrauch auf die Wahrnehmung der Gefühle anderer Menschen aus, folgern die Autoren. Dies könne möglicherweise die Verhaltensstörungen erklären, die missbrauchte Kinder häufig im Laufe ihres Lebens entwickeln.
ddp/bdw – Florian Sander





