Die Trias-Zeit war eine Phase dramatischer Veränderungen auf der Erde: Am Übergang zu diesem Zeitalter ereignete sich das größte Massenaussterben der Geschichte unseres Planeten – mehr als 90 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten im Ozean und 70 Prozent aller Landbewohner wurden damals ausgelöscht. Danach musste sich das Leben auf der Erde neu sortieren. Im Laufe dieses Prozesses entstanden unter anderem die Vorfahren der heutigen Echsen, Schildkröten und Krokodile. Auch die Dinosaurier, aus denen später die Vögel hervorgingen, entwickelten sich damals. Wie genau die Evolution dieser Tiere ablief, ist allerdings nur in Teilen bekannt. Denn gerade aus dem mittleren Trias-Zeitalter vor 247 bis 237 Millionen Jahren fehlt es an Fossilien terrestrischer Lebewesen. “Dies schränkt unser Verständnis der frühen Diversifikation von Abstammungslinien ein, die heute einige der weltweit artenreichsten Faunen repräsentieren – zum Beispiel die Lepidosauromorpha”, erklären Gabriela Sobral vom Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart und ihre Kollegen. Zu diesem Taxon gehören unter anderem die Schuppenechsen wie Schlangen und Eidechsen.
Ähnlichkeit mit Echsen und Schlangen
Umso spannender ist nun das Fossil, das die Wissenschaftler bei Vellberg im Landkreis Schwäbisch-Hall gefunden haben: Sie gruben dort den 240 Millionen Jahre alten, winzigen Schädel einer Echse aus. Das Tier war zu Lebzeiten nur zehn Zentimeter lang und wahrscheinlich noch nicht vollständig ausgewachsen. Wie Sobrals Team berichtet, weisen die anatomischen Merkmale dieser Mini-Echse große Ähnlichkeit mit modernen Echsen und Schlangen auf. Demnach gleicht das Fossil unter anderem in Bezug auf seine Zähne und Unterkieferknochen einem Mosaik aus den Eigenschaften früher Schuppenkriechtiere (Squamata) und Rhynchocephalia – einer Tiergruppe, die heute nur noch in Form der auf einigen neuseeländischen Inseln heimischen Brückenechsen (Tuatara) existiert.
Dies bedeutet, dass die Mini-Echse womöglich ein gemeinsamer Vorfahre dieser beiden Tiergruppen ist. Sie könnte zu jener Abstammungslinie gehören, von der sich die Squamata und Rhynchocephalia abspalteten. Das macht sie den Forschern zufolge zu einem Stamm-Lepidosauromorphen und damit auch zu einem der ältesten Vertreter der Schuppenechsen. Sie ordnen das Reptil einer bisher unbekannten Art zu: Vellbergia bartholomaei. Die neue Spezies ist nicht nur aufgrund ihrer einzigartigen Kombination anatomischer Eigenschaften interessant. Ihr Alter impliziert auch eine überraschende Koexistenz. Denn diese Echse lebte zu einer Zeit in Zentraleuropa, als sich dort schon erste Vertreter der aus ihrer Abstammungslinie hervorgegangenen Squamata und Rhynchocephalia tummelten. “Das legt nahe, dass Stamm-Lepidosauromorphen bis zur mittleren Trias überlebten”, erklären Sobral und ihre Kollegen.





