Schon im Jahre 1868 vermutete der Naturforscher Henry Bates, dass manche Tiere das Aussehen giftiger oder ungenießbarer Tiere annehmen, um sich selbst vor Feinden zu schützen. Diese Anpassung heißt Mimikry. Einige Fliegen nehmen beispielsweise die schwarz-gelbe Ringelung von Bienen oder Wespen an und signalisieren mit dieser Warnfärbung: “Rühr mich nicht an, ich kann stechen”. Bates konnte seine Vermutung nie experimentell bestätigen, doch dies ist nun Wissenschaftlern der University of North Carolina gelungen.
Nach der Theorie dürfte Mimikry nur dann einen Schutz bieten, wenn das Tier die Färbung eines gefährlichen oder ungenießbaren Tieres täuschend echt nachahmt und Raubtiere dieses Warnmuster auch mit einem gefährlichen oder ungenießbaren Tier verbinden. Um die Theorie zu überprüfen entwarfen David Pfennig und seine Kollegen ein Experiment mit den sehr giftigen Korallenschlangen und den ungefährlichen, ähnlich aussehenden Scarlet King Snakes.
Die Wissenschaftler verteilten 1.200 lebensgroße Modelle der Schlangen in einem Gebiet in dem die gefährliche Korallenschlange lebt und in einem Gebiet in dem sie nicht vorkommt. Die Schlangenmodelle wurden in dem Gebiet in dem es keine Korallenschlagen gibt wesentlich häufiger angegriffen als in dem anderen Gebiet.
Da die Raubtiere in dem Gebiet, in dem die giftigen Korallenschlangen nicht vorkommen, noch keine negativen Erfahrung mit den giftigen Korallenschlagen gemacht haben, sollten die Schlangenmodelle hier laut der Theorie von Raubtieren angegriffen werden. Genau das zeigte sich bei den Untersuchungen. Vergleichbare Experimente in Arizona ergaben ähnliche Ergebnisse.
Ralf Möller





