Mit dem Voranschreiten der Globalisierung werden fremde Arten immer häufiger und schneller über die weit verzweigten Handels- und Transportwege in fremde Ökosysteme eingeschleppt. Viele dieser Spezies können sich in der neuen Heimat ungehindert vermehren, weil ihnen oft natürliche Feinde fehlen, was wiederum zum Aussterben heimischer Arten führt und das Ökosystem aus dem Gleichgewicht bringt.
Ein Beispiel ist die Braune Nachtbaumnatter (Boiga irregularis), die vermutlich durch Truppentransporte während des Zweiten Weltkriegs auf die westpazifische Insel Guam gelangte und sich dort rasant vermehrte – mit einer verheerenden Wirkung auf die Fauna der Insel: Innerhalb weniger Jahre waren viele Vogelarten und andere Kleintiere der Insel, die als Beutetiere der Schlange in Frage kamen, ausgestorben oder gefährdet. Als Folge der weitreichenden Ausrottung der Vögel – und damit von wichtigen Samenausbreitern – ist nun auch die Flora Guams bedroht.
Natter und Ochsenfrosch sind teuer
Die Invasion fremder Spezies hat aber nicht nur erhebliche Auswirkungen auf die heimischen Tier- und Pflanzenarten: „Auch die Wirtschaft und die menschliche Gesellschaft sind betroffen – mit hohen finanziellen Kosten für mehrere Wirtschaftssektoren, Beeinträchtigung der Lebensgrundlagen und Verlust der menschlichen Gesundheit und Wohlstand“, erklären Ismael Soto von der Universität von Südböhmen in der Tschechischen Republik und seine Kollegen. Um diese Auswirkungen einschätzen zu können, haben die Wissenschaftler die weltweiten Kosten von Amphibien- und Reptilieninvasionen anhand von Daten aus der InvaCost-Datenbank untersucht, in der die wirtschaftlichen Kosten von Arteninvasionen von Experten zusammengestellt sind.
„Unsere Auswertung ergibt, dass sich die Gesamtkosten für die Invasion von Reptilien und Amphibien zwischen 1986 und 2020 auf über 16,5 Milliarden Euro belaufen. Davon entfielen 6,1 Milliarden Euro auf Amphibieninvasionen, 10,1 Milliarden Euro auf Reptilieninvasionen und 0,2 Milliarden Euro auf Invasionen, die sowohl Amphibien als auch Reptilien betreffen“, erklärt Sotos Kollege Phillip Haubrock. Die Braune Nachtbaumnatter ist dabei, zusammen mit dem Nordamerikanischen Ochsenfrosch (Lithobates catesbeianus), für knapp 16 Milliarden Euro, also 96 bis 99 Prozent der Gesamtkosten verantwortlich.
Wie entstehen die Kosten?
Ob es nun Reptilien oder Amphibien sind, die sich in fremden Ökosystemen ausbreiten, hat dabei ganz unterschiedliche Auswirkungen auf die wirtschaftlichen Schäden. Laut der Studie stehen beispielsweise 99,7 Prozent der durch Amphibien verursachten Kosten in Zusammenhang mit der Bekämpfung der Invasionen, wie etwa durch die Ausrottung der eingeschleppten Arten. Die wirtschaftlichen Kosten bei diesen Fällen entstehen dabei vor allem in europäischen Ländern. Die durch Reptilien verursachten Kosten sind hingegen hauptsächlich auf Schäden zurückzuführen, die direkt durch die Invasionen verursacht werden, wie beispielswiese Ernteverluste. 99,6 Prozent der durch Reptilien verursachten Kosten entstehen dabei in den Ländern Ozeaniens und der pazifischen Inseln.





