Sich zu kümmern, kann sich lohnen: Viele Tiere überlassen ihren Nachwuchs nicht einfach sich selbst, sondern sorgen nach der Geburt oder dem Schlüpfen aktiv für das Wohl der Kleinen. Einige füttern die Jungtiere dabei durch herangeschaffte oder hervorgewürgte Nahrung. Doch daneben gibt es bekanntlich auch Tierarten, die ihren Nachwuchs durch speziell entwickelte Sekrete mit Nährstoffen versorgen. Diese besonderen „Körpersäfte“ werden als Milch bezeichnet. Bei den Säugetieren wurde dieses Konzept geradezu zu einem Identitätsmerkmal. Doch auch bei anderen Tiergruppen gibt es Beispiele. So versorgen etwa Vertreter der Taubenvögel ihre Jungen mit sogenannter Kropfmilch und sogar bei den Fischen, Insekten und Spinnentieren sind Vertreter bekannt, die Nährsekrete für die Versorgung ihre Jungtiere hervorbringen.
Amphibien im Visier
Bei den Amphibien waren hingegen bisher nur Konzepte bekannt, die nicht direkt mit einer Milchversorgung vergleichbar sind. Auch bei dieser Tiergruppe gibt es allerdings hochentwickelte Formen der Brutpflege. Es gibt etwa Froscharten, die ihre Kaulquappen auf dem Rücken umhertragen und unbefruchtete Eier für ihre Ernährung bereitstellen. Auch von einer skurril wirkenden Amphibiengruppe waren bereits intensive Fürsorgeformen bekannt: Bei den auch Blindwühlen genannten Schleichenlurchen (Gymnophiona) handelt es sich um Amphibien mit einer gliedmaßenlosen, wurmförmigen Körpergestalt, die in tropischen Regionen der Erde vorkommen.
Es gibt unter den Schleichenlurchen sowohl eierlegende als auch lebendgebärende Arten. Von diesen Amphibien war auch ein besonderes System der Nahrungsversorgung des Nachwuchses bekannt: Bei manchen Schleichenlurchen produzieren die Weibchen während der Brutpflege spezielle Hautstrukturen, die von den Jungtieren gefressen werden. Doch nun haben die Wissenschaftler um Pedro Mailho-Fontana bei der südamerikanischen Ringelwühle Siphonops annulatus ein zusätzliches System entdeckt, das mit dem Milch-Versorgungsverhalten bei anderen Tieren vergleichbar ist.
Schlüpflinge trinken ein Sekret
Bei Beobachtungen von Weibchen mit ihrem frisch geschlüpften Nachwuchs wurden die Forschenden auf ein spezielles Verhalten aufmerksam: Die Jungtiere schienen eine Absonderung von der hinteren Körperöffnung des Muttertiers aufzunehmen. Dieser Spur ging das Team anschließend durch verschiedene Untersuchungsmethoden genauer nach. Wie sich zeigte, bringt das Weibchen während der zwei Monate dauernden Brutpflege tatsächlich eine Nährflüssigkeit für die Jungtiere hervor, die das Team als Milch bezeichnet. Denn Analysen dieser Substanz ergaben, dass es sich um ein kohlenhydrat- und fettreiches Sekret handelt, das damit der Muttermilch von Säugetieren ähnelt.





