Lange waren die Gipfel des Himalaja für Menschen nahezu unerreichbar – auch deshalb setzten die Bewohner der Region sie Göttern gleich. Doch mit dem Beginn des neuzeitlichen Bergsteigens und später dem Bergtourismus haben sich die Hochgebirge zu begehrten Zielen für Menschen aus aller Welt entwickelt. Selbst der höchste Berg der Welt, der 8848 Meter hohe Mount Everest wird heute jedes Jahr von hunderten Bergsteigern bestiegen. Doch mit den Besuchern kam auch der Abfall auf den Berg: “Schon vor 50 Jahren wurde das Camp am South Col auf 8000 Meter Höhe als der höchste Abfallplatz der Welt bezeichnet und der gesamte Berg als die höchste Müllhalde”, erklären Imogen Napper von der University of Plymouth und ihre Kollegen. Plastikflaschen, Proviantverpackungen, Zigarettenkippen und sogar leere Sauerstoffflaschen übersäen inzwischen die steilen Hänge des Berges. Im Jahr 2019 sammelte die nepalesische Armee mehr als 10.000 Kilogramm Abfall vom Mount Everest und der umgebenden Region ein.
Mikroplastik noch in 8440 Meter Höhe
Trotz dieser bekannten Abfallproblematik war bislang aber unbekannt, ob und mit wie viel Mikroplastik die einst unberührte Schneewelt auf dem Mount Everest verunreinigt ist. Um das herauszufinden, haben Napper und ihre Kollegen im Rahmen der National Geographic and Rolex Perpetual Planet Everest Expedition im Sommer 2019 elf Schneeproben aus mehr als 8000 Meter Höhe und acht Wasserproben aus Hochgebirgsbächen genommen. Die Proben stammten vom Base Camp, in dem sich Bergsteiger bis zu 40 Tage lang aufhalten, und von mehreren Stationen einige Meter neben der Route zum Gipfel. Die höchste Schneeprobe nahmen die Forscher am sogenannten “Balkon”, einem 8440 Meter hohen Absatz direkt unter dem Gipfel. Alle Proben analysierten sie anschließend im Labor auf ihren Mikroplastikgehalt.
Trotz der großen Höhe und entlegenen Lage enthielten alle Schneeproben Mikroplastik, wie die Analysen ergaben. “Ich wusste vorher nicht, welche Ergebnisse mich erwarten würden”, sagt Napper. “Aber dass wir Mikroplastik in jeder einzelnen Schneeprobe finden würden, hat mich doch überrascht.” Die höchsten Konzentrationen fanden sich in den Schneeproben aus dem Basislager, dort wiesen die Forscher im Schnitt 79 Mikroplastik-Partikel pro Liter nach, der Höchstwert lag 119 Partikel pro Liter. Aber selbst in den Proben vom “Balkon” waren im Schnitt noch zwölf Mikroplastik-Partikel pro Liter enthalten. “Dies ist der am höchsten gelegene jemals ermittelte Nachweis von Mikroplastik”, konstatieren Napper und ihr Team. “Das bedeutet, dass Mikroplastik inzwischen von den tiefsten Tiefen des Ozeans bis auf den höchsten Berg der Welt nahezu überall gefunden wird.”





