Das Ende kam plötzlich, aber nicht ganz unerwartet. Als Roberto Grecko Berumen eines Morgens den Wasserhahn über der Spüle aufdrehte, spuckte der noch ein paar Tropfen in das Becken. Dann kam ein Fauchen. Dann Stille. Kein Wasser mehr. Nirgends. Nicht in seiner Wohnung, nicht im Haus mit den neun anderen Apartments, nicht in der gesamten Calle de Amsterdam, wie er kurze Zeit später feststellen sollte. Die Wasserleitungen seines Viertels: versiegt.
Dem 78-Jährigen fielen die Schlagzeilen wieder ein. Wassermangel in Mexiko-Stadt, leere Leitungen, tote Hähne, wochen-, manchmal monatelang. Dazu Nachrichtenbilder. Bewohner ziehen mit Sackkarren los, stehen an Wasserleitungen auf der Straße Schlange, füllen schwitzend und genervt ihre mitgebrachten Plastikkanister auf.
Aber das war in den armen Regionen der mexikanischen Hauptstadt, in Randbezirken wie Iztapalapa oder Coyoacán. Nicht im Zentrum. Und schon gar nicht in reichen Gegenden wie hier in Condesa, wo teure Hotels stehen, wo Touristen wie Einheimische in die Bars und Restaurants strömen. Wo Berumens Nachbarn samstags ihre Wagen wuschen und abends die Bürgersteige mit dem Gartenschlauch abduschten. Wo die Stadt einfach funktionierte.
Die Angst vor Day Zero
Was in schicken Innenstadtvierteln wie Condesa noch als Ausnahme auffällt, ist in weiten Teilen von Mexiko-Stadt längst Normalität: die Sorge um Leitungswasser. Die Megacity mit mehr als 22 Millionen Einwohnern, einst auf einer Seenplatte errichtet, sitzt auf dem Trockenen. Regenmangel und der hohe Verbrauch der Bewohner lassen den Wasserstand in den Versorgungssystemen mehr und mehr fallen. Zeitweise musste die Stadt den Zufluss bereits rationieren.
Durch ein Zusammenspiel aus Klimawandel, anhaltenden Dürren, Verschwendung und maroder Infrastruktur schwappen auch die Wasserreservoirs in anderen Metropolen längst am unteren Limit, ob in Kairo, Los Angeles, Tokio oder Barcelona. Überall dort könnte in naher Zukunft die Wasserversorgung zusammenbrechen – der sogenannte Day Zero. In Kapstadt gab es ihn bereits, im Jahr 2015. In Mexiko-Stadt könnte es in den nächsten Jahren passieren.
Oder lässt sich der Day Zero noch verhindern? Ein Team von Politikern, Wissenschaftlern und Architekten sucht nach Lösungen – und findet sie auch im Aztekenreich von vor 600 Jahren.
Regulierende Terrassensysteme
Loreta Castro Reguera, selbstständige Stadtdesignerin, ist eine von ihnen. In ihrem Studio im Zentrum der Stadt stehen Miniaturversionen ihrer Projekte aus Karton. Castros Mission: Sie will Wasser in der Öffentlichkeit wieder sichtbar machen. Denn nur durch einen Perspektivwechsel, so glaubt sie, lässt sich der Day Zero verhindern. „Wir nehmen Wasser nur vom Hahn bis zum Abfluss wahr – oder in dekorativen Brunnen. Das muss sich ändern.“ Die Menschen sollten ihr ursprüngliches Verhältnis zum Wasser wieder entdecken. Erreichen will sie das durch ein paralleles Wassersystem.





