Es war bereits bekannt, dass sich auch Dromedare mit MERS infizieren können, sie zeigen allerdings keine oder kaum Symptome einer Erkrankung. Norbert Nowotny von der Veterinärmedizinische Universität Wien und seine Kollegen konnten nun den direkten Zusammenhang zwischen den Infektionen beim Menschen und den Tieren zeigen. Die Forscher untersuchten dazu Nasenschleimhaut- und Bindehautabstriche von 76 Dromedaren aus dem Oman. In fünf Tieren fanden sie das MERS-Coronavirus und verglichen die virale RNA mit jener von MERS-Coronaviren aus Katar und Ägypten.
Direkte Übertragung von Kamelen auf Menschen
Sie stellten durch die genetischen Untersuchungen fest, dass Viren infizierter Menschen und Dromedare aus derselben Region fast identische RNA-Sequenzen aufweisen. „Das deutet auf eine Übertragung zwischen Tier und Mensch hin”, erklärt Nowotny. „In diesem Fall spricht man von einer sogenannten Zoonose. Mit diesem Wissen können wir gezielt auf die Ausbreitung des Virus reagieren. Es sind etwa Impfungen von Kamelen im Gespräch. So könnte eine Verbreitung gebremst werden”, sagt der Forscher.
Die Virus-Mengen im Nasen- und Augensekret der Dromedare waren überraschend hoch, zeigten die Untersuchungen. Die Wissenschaftler gehen deshalb davon aus, dass der Übertragungsweg von Tier auf Mensch höchstwahrscheinlich über diese Kontaktstellen passiert, vor allem über Nasensekret. Das MERS-Coronavirus ist eng mit dem gefürchteten SARS-Coronavirus verwandt. SARS nahm seinen Ursprung in China und forderte in den Jahren 2002 und 2003 über 800 Todesfälle weltweit. „Während das SARS-Coronavirus vermutlich nur einmal die Artenbarriere übersprang, indem es von Fledermäusen auf den Menschen überging, müssen wir beim MERS-Coronavirus von laufenden Übertragungen von Kamelen auf Menschen ausgehen”, sagt Nowotny.





