Menschen und Würmer sind nach Ansicht von Experten enger verwandt als bisher angenommen. Forscher aus Darmstadt und Heidelberg haben herausgefunden, dass die Gene so verschiedener Tiergruppen wie Wirbeltiere und Würmer ähnlicher sind als bisher bekannt war. “Schon die primitivsten Tiere vor 700 Millionen Jahren verfügten über ein ganz ähnliches genetisches Entwicklungspotenzial wie wir Menschen”, berichtete Ulrich Technau, Molekularbiologe der Technischen Universität Darmstadt, am Donnerstag.
Die Ergebnisse wurden in der neuesten Ausgabe von “Nature” veröffentlicht. Aus den Genen von heute lebenden Würmern und Wirbeltieren schlossen die Forscher auf die Urzeit. Dabei fanden sie heraus, dass bei beiden Gruppen die Ausbildung des Darms von den gleichen Genen reguliert wird. Im September hatten andere Forscher der Technischen Universität Darmstadt bereits nachgewiesen, dass ein 700 Millionen Jahre alter Süßwasserpolyp ähnliche Gene zur Ausbildung seiner Körperachse einsetzte wie die Wirbeltiere.
Die Arbeiten des European Molecular Biology Laboratory (EMBL) in Heidelberg und der TU Darmstadt widerlegen Technau zufolge eine hundert Jahre alte Lehrmeinung der Biologie. Bisher wurden Tiere in zwei Gruppen eingeteilt: Bei Würmern und Insekten habe sich der so genannte “Urmund”, eine Einstülpung des hohlkugelförmigen Embryos, zum After entwickelt, bei Wirbeltieren zum Mund. Den neuen Forschungen zufolge waren bei beiden Gruppen die gleichen Gene für die Ausbildung von Darm und After verantwortlich.
dpa





