Biologisch betrachtet ist das Klimakterium ein Mysterium: Bereits im zweiten Lebensdrittel beendet es die Fruchtbarkeit von Frauen, Männer bleiben dagegen ihr Leben lang zeugungsfähig. Im Tierreich finden sich ebenfalls kaum Parallelen: In der Regel sind die Weibchen bis zum Tod fortpflanzungsfähig. Wie es zu dem Phänomen beim Menschen kommt, ist daher bislang unverstanden. Nun haben kanadische Forscher ein neues Erklärungsmodell für den weiblichen Verlust der Fruchtbarkeit entwickelt. Ihnen zufolge sind die Männer die Verursacher: Deren Vorliebe für junge Partnerinnen hat im Laufe der Evolution zu einer Anhäufung von Mutationen geführt, die bei Frauen im fortgeschrittenen Lebensalter zu Infertilität führen.
Das Klimakterium bezeichnet die Zeit der hormonellen Umstellung vor und nach der letzten Regelblutung, die auch den letzten Eisprung kennzeichnet. Danach ist die fruchtbare Lebensphase einer Frau beendet, obwohl oft noch Jahrzehnte des Lebens folgen. Der vorherrschende Erklärungsansatz für dieses Phänomen ist bisher die sogenannte Großmutter-Hypothese. Sie besagt, dass Frauen jenseits der Wechseljahre durch ihre Erfahrungen dem Überleben der Sippe und damit den eigenen Genen nützen: Sie sichern sich durch die kluge Sorge um ihre Kinder und Enkel mehr gesunde Nachkommen als durch die Geburt weiterer eigener Kinder. Dieses Erklärungsmodell halten die Forscher um Rama Singh von der McMaster University in Hamilton allerdings aus evolutionsbiologischer Sicht für fragwürdig: Auslese im Rahmen der Evolution bringt Fruchtbarkeit hervor und nicht das Gegenteil, sagt Singh.
Die Forscher haben nun Computermodelle entwickelt, die zeigen, dass die Ursache der Menopause auch schlicht die Vorliebe der Männer für junge Frauen sein könnte. Durch diesen Faktor wurde auf Fruchtbarkeit bei älteren Frauen nicht mehr selektioniert. So konnten sich Mutationen im Erbgut des Menschen ansammeln, die im fortgeschrittenen Alter bei Frauen Infertilität auslösen, erklären die Wissenschaftler. Ihren Computermodellen zufolge würde es die Menopause ohne den Faktor der sexuellen Präferenz von Männern gegenüber jungen Frauen gar nicht geben: Sie würden genauso wie Männer ihre Fortpflanzungsfähigkeit im Laufe des Lebens beibehalten, sagt Singh. Theoretisch wäre sogar ein umgekehrtes Szenario im Laufe der Evolution möglich gewesen: Hätten sich Frauen nur junge Männer als Partner ausgewählt, hätte dies zu männlicher Unfruchtbarkeit ab einem gewissen Alter geführt, so der Evolutionsbiologe.
Das neue Erklärungsmodell der Forscher verdeutlicht, dass biologische Phänomene wie das Klimakterium nicht zwangsläufig immer einen Zweck erfüllen müssen. Wähernd die Vorliebe der Männer für junge Frauen ihnen Vorteile beim Fortpflanzungserfolg bietet, wäre die Menopause der neunen Hypothese zufolge nur eine Begleiterscheinung dieser sexuellen Selektion und nicht selbst ein Vorteil im Überlebenskampf. Ob das wirklich der Fall ist, bleibt aber weiterhin offen. Die Ursachen oder möglichen Funktionen des Klimakteriums lassen sich wissenschaftlich offenbar nur schwer fassen und somit auch kaum abschließend klären. Vermutlich werden sich die Anhänger der Großmutter-Hypothese auch nicht geschlagen geben und nun bald neue Indizien für ihr Erklärungsmodell präsentieren.
Rama Singh (McMaster University in Hamilton) et al.: PLoS Comput Biol, doi: 10.1371/journal.pcbi.1003092 © wissenschaft.de – Martin Vieweg





