Wetterdaten belegen, dass Dürren durch die Erderwärmung immer häufiger werden, auch mehrjährige Megadürren wie sie zwischen 2000 und 2018 in den USA vorkamen. In Chile dauert eine solche Trockenphase inzwischen seit 2010 an und hat die Wasserreserven des Landes beinahe völlig aufgebraucht. Solche Wetterextreme bedrohen sowohl die Ökosysteme als auch den Menschen. Weil Böden austrocknen und Flüsse weniger Wasser führen, kommt es zu Ernteausfällen, das Trinkwasser wird knapp, Bäume sterben ab, es kommt zu Waldbränden und Lebensräume verarmen. Doch wie häufig kommen Megadürren tatsächlich vor und wie groß ist das Ausmaß der Wasserkrisen für die Natur?

Megadürren werden häufiger und intensiver
Das hat nun ein Team um Liangzhi Chen von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) in der Schweiz näher untersucht. Dafür ermittelten die Forschenden anhand von Daten über Niederschläge und Verdunstung, wo auf der Welt zwischen 1980 und 2018 Dürren auftraten und wie schwer diese waren. So kartierten sie 13.176 Megadürren weltweit, darunter viele bisher übersehene Dürren in weniger zugänglichen Regionen der Erde. „Unsere Methode kartierte nicht nur gut dokumentierte Dürren, sondern deckte auch extreme Dürren auf, die fast unentdeckt geblieben sind, wie zum Beispiel die Dürre zwischen 2010 und 2018 im Kongo-Regenwald“, sagt Seniorautor Dirk Karger von der WSL. Mithilfe von Satellitenbildern analysierte das Team auch, wie grün die Vegetation jeweils war – ein Zeichen für lebende gesunde Pflanzen.
Die Auswertung ergab, dass Megadürren in den vergangenen Jahrzehnten auf allen Kontinenten vorkamen, außer in der Antarktis. Dabei wurden sie mit der Zeit immer häufiger, großflächiger, heißer und trockener. „Seit 1980 haben sich die Dürregebiete jedes Jahr um durchschnittlich 50.000 Quadratkilometer ausgedehnt – das entspricht etwa der Fläche der Slowakei –, was enorme Schäden an Ökosystemen, in der Landwirtschaft und in der Energieproduktion verursacht“, sagt Co-Autorin Francesca Pellicciotti vom Institute of Science and Technology Austria (ISTA). Insbesondere nach Jahren mit dem Klimaphänomen El Niño waren weltweit größere Landflächen von Megadürren betroffen.
Für die Ökosysteme waren die Folgen jedoch sehr unterschiedlich, da sie in verschiedenen Klimaregionen liegen und dort unterschiedliche Pflanzen vorkommen. Am stärksten sichtbar litten unter der Trockenheit demnach die Gräser und Sträucher von Prärien und Steppen, insbesondere im Südosten Australiens, im Westen der USA und in der Mongolei und. Die Grasländer verloren wenig überraschend stärker an grüner Farbe als Tundra, subtropische oder tropische Wälder. Allerdings erholten sich Grasflächen nach den Dürren oft auch rasch wieder. Die Steppenpflanzen sind demnach am wenigsten hitzeresistent, aber langfristig durchaus resilient, so Chen und seine Kollegen. Demgegenüber können tropische Wälder die Dürrephasen offenbar bislang durch ihre Wasserreserven gut ausgleichen. Borealen Wäldern scheint die Trockenheit ebenfalls bisher eher wenig auszumachen. Sie wachsen dank der Erderwärmung sogar derzeit mehr. Doch nur weil die Wälder (noch) grün sind, heißt das nicht, dass sie nicht auch leiden, wie das Team betont. Die Schäden sind nur schwerer erkennbar.






