Malaria verursacht mehr Todesfälle als bisher angenommen und führt zu wirtschaftlichen Verlusten. Das geht aus einer Veröffentlichung der internationalen Malaria-Initiative MIM hervor.
Bisher schätzte man die Zahl der Malaria-Toten auf eine Million Menschen jährlich. Der Bericht der MIM belegt nun, dass die Zahl nach oben korrigiert werden muss. Die Wissenschaftler gehen von mindestens 700.000 bis 2,7 Millionen Todesfällen pro Jahr aus. Über 75 Prozent der Opfer sind Kinder aus Afrika, vor allem Kinder unter fünf Jahren. In der Gruppe der Unterfünfjährigen treten pro Jahr 400 bis 900 Millionen Fieberanfälle auf, wobei ein Kind in der Regel mehrfach pro Jahr erkrankt. Ohne effektive Maßnahmen wird sich nach Einschätzung der Forscher die Zahl der Erkrankungen bis ins Jahr 2020 verdoppeln.
Das hohe Fieber, das die Malaria-Erreger auslösen, hemmt bei Kleinkindern die Entwicklung des Gehirns. Das wirkt sich besonders auf komplexe kognitive Fähigkeiten, wie Planen, Entscheiden, Selbstwahrnehmung und soziale Sensibilität aus. Die Folgen für die Kinder, die Familien und die Gesellschaft lassen sich nur schwer einschätzen.
Ähnlich schwierig ist es, die ökonomischen Auswirkungen zu beziffern. Der Bericht belegt allerdings einen klaren Zusammenhang zwischen Armut und Malaria. So tritt Malaria vor allem in den ärmsten Staaten der Erde auf. Es sind Länder mit geringen Entwicklungsperspektiven: In Staaten mit hohem Infektionsdruck wuchs das Pro-Kopf-Einkommen zwischen 1965 und 1990 um 0,4 Prozent im Jahr. In Ländern mit geringem Infektionsdruck lag die Wachstumsrate im gleichen Zeitraum bei 2,3 Prozent. Das heißt sie war dort fünf Mal größer.
Die Mitglieder des MIM halten Maßnahmen für zwingend erforderlich. Neben nationalen Gesundheitsprogrammen, wird eine Intensivierung der Malaria-Forschung gefordert. Das MIM, die Multilaterale Initiative on Malaria, wurde 1997 gegründet. Es ist eine Initiative von amerikanischen, europäischen und afrikanischen Wissenschaftlern und Gesundheitsorganisationen.
Brigitte Kranz





