Die künstliche Aufzucht von Meerestieren könnte in Zukunft weiter dazu beitragen, die Ernährung der Weltbevölkerung sichern. Zu diesem Schluss gelangt der Meeresökologe James Diana von der Universität Michigan in Ann Arbor, als er aktuelle Trends der sogenannten Aquakultur untersuchte. Mit Hilfe der künstlichen Zucht von Fischen, Muscheln und Krustentieren könnten die Erträge bis 2025 weiter gesteigert werden, ohne die Umwelt stärker zu beeinträchtigen als mit konventionellem landwirtschaftlichem Anbau.
Die Weltbevölkerung wächst kontinuierlich und damit auch der Bedarf an Nahrungsmitteln. Die Erträge des klassischen Fischfangs sind seit mehr als 20 Jahren konstant, da die natürlichen Bestände drastisch zurückgegangen sind. Denn die ständig steigende Nachfrage nach Fisch und anderen Meerestieren führte in vielen Gegenden zu bedrohlich geringen Beständen. Daher werden in Aquakulturen Speisefische und Krustentiere in eingezäunten Becken künstlich gezüchtet. Seit 1985 wachsen die Erträge aus Aquakulturen pro Jahr im Schnitt um 8,8 Prozent an. Inzwischen liefern diese künstlichen Zuchten rund ein Drittel des gesamten Ertrags aus dem Meer.
Von diesen Zuchtbecken können jedoch auch Risiken ausgehen: Schlechtes Management kann zu verschmutzten Gewässern führen und die hohe Dichte der Tiere begünstigt die Ausbreitung von Krankheiten. Eine besondere Gefahr stellen auch entkommene Zuchttiere dar, die den natürlichen Bestand verdrängen.
Werden jedoch die Standards eingehalten, so habe die Aquakultur durchaus das Potenzial, sich positiv auf die natürlichen Bestände auszuwirken, erklärt Diana. Da mit der Verfügbarkeit von Zuchttieren der Fang bedrohter Arten zurückgeht, könnten sich seltene Arten wieder erholen, wodurch die Vielfalt in den Meeren erhalten bleibt. Doch nicht nur die natürlichen Fischvorkommen profitieren von der Aquakultur, betont der Wissenschaftler. Die Technik komme auch Entwicklungsländern zugute, denn die erzeugten Exporte bringen Einnahmen. Schon jetzt werde mit gezüchteten Meeresfrüchten mehr Umsatz erzeugt als mit Fleisch, Kaffee, Tee, Bananen und Reis zusammen.
James Diana (Universität Michigan, Ann Arbor) in BioScience (Band 59, Nummer 1) ddp/wissenschaft.de ? Stefan Pröll





