Neben Kohlendioxid ist Methan eines der wichtigsten vom Menschen verursachten Treibhausgase. Im Vergleich zu Kohlendioxid hat es kurzfristig betrachtet eine um ein Vielfaches stärkere Treibhauswirkung, verbleibt aber nur etwa zehn Jahre in der Atmosphäre. Werden die Methan-Emissionen verringert, wirkt sich das somit vergleichsweise schnell positiv auf das Klima aus. Auf der Klimakonferenz COP26 in Glasgow 2021 schlossen sich über 100 Länder der Global Methane Pledge an und vereinbarten, ihren Methan-Ausstoß bis 2030 um mindestens 30 Prozent zu verringern.
Als Bio- und Erdgas ist Methan ein begehrter Energieträger. Bei der Verbrennung wird es zu CO2 umgewandelt. Gerade bei der Erdgasförderung entweicht allerdings ein Teil des Methans auch ungenutzt in die Atmosphäre. Rund 40 Prozent der von Menschen verursachten Methanemissionen stammen aus der Energiewirtschaft. Wie groß der Anteil des entweichenden Methans ist, wird üblicherweise mit Messstationen an einzelnen Förderstandorten erhoben und hochgerechnet. Während diese Methode gut geeignet ist, um kleine Emissionsquellen zuverlässig zu erfassen, könnte sie jedoch potenziell große Emissionen von Förderstandorten ohne entsprechende Messeinrichtungen übersehen.
Kombination von Messmethoden
Um dieses Problem zu beheben und realistische Werte der gesamten Methanemissionen aus der Öl- und Gasförderung zu ermitteln, kombinierte ein Team um Evan Sherwin von der Standford University in Kalifornien Daten dieser Einzelmessungen mit Messungen aus der Luft, bei der mit Hilfe von Infrarotspektroskopie große Methanquellen sichtbar gemacht werden. „Wir haben etwa eine Million Messungen aus der Luft durchgeführt und diese in regionale Emissionsmessungen integriert“, berichtet das Team. „Dabei erfassen wir sechs Förderregionen in den USA, die 52 Prozent der Onshore-Öl- und 29 Prozent der Gasproduktion umfassen.“ Durchgeführt wurden die Messungen 2020 und 2021.
Das Ergebnis: Durchschnittlich entweichen 2,95 Prozent des gesamten geförderten Methans ungenutzt in die Atmosphäre – rund dreimal mehr, als die offiziellen Zahlen, die sich lediglich auf die Daten von Messstationen verlassen, angeben. „Zusammengenommen bedeuten die hier quantifizierten Emissionen einen jährlichen Verlust von etwa 1 Milliarde US-Dollar an kommerziellem Gaswert und 9,3 Milliarden US-Dollar an jährlichen Umweltkosten“, schreibt das Forschungsteam.
Wenige Lecks als Hauptverursacher
Die Daten zeigen, dass nur 0,05 bis 1,66 Prozent der Förderanlagen für mehr als die Hälfte der Emissionen verantwortlich sind. Die meisten Emissionen stammen dabei aus schnell expandierenden Förderregionen mit einem Fokus auf Ölförderung. Lange etablierte, hochproduktive Gasförderregionen tragen hingegen einen deutlich geringeren Anteil bei. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Transport und Speicherung des geförderten Gases. Auch hier sind einige wenige große Lecks für einen großen Teil der Gesamtemissionen verantwortlich.





