Wir sprachen mit dem Macher des Films Carl-A. Fechner.
Herr Fechner, am 18. März kommt Ihr neuer Dokumentarfilm in die Kinos. Er zeigt, warum und wie eine Umstellung der Energieversorgung weltweit auf 100 Prozent erneuerbare Quellen nötig und möglich ist. Der Untertitel lautet “Der Schlüssel zum Überleben”. Ist es so dramatisch?
Die Umstellung ist nicht nur eine Frage der Technologien, sie ist vor allem eine gesellschaftliche Frage, eine von arm und reich, Krieg und Frieden – insbesondere in Entwicklungsländern. Dort könnten Millionen von Menschen überhaupt erstmals Zugang zu Strom erhalten und so fundamentale Ungerechtigkeiten beseitigt werden. Etwa, indem sie finanziert über Mikrokredite Solaranlagen auf Dächern installieren.
Ihr Film verzichtet auf persönliche Dramen …
Ja, keiner stirbt, keiner heult oder erzählt seine tragische Lebensgeschichte. Insofern ist es ein künstlerisches Experiment. Wir stellen einfach “Helden” vor, die die Energie-Revolution in ihrem jeweiligen Umfeld vorantreiben und spannen dabei den Bogen von Downtown Los Angeles über eine Hebammenschule in Mali bis zum Mikrokreditsystem des Friedensnobelpreisträgers Yunus. Wir bauen auf deren faszinierenden Ideen und unsere starken Bilder. Ich bin gespannt, ob die Zuschauer sich mitreißen lassen.
Es gibt ja schon im Vorfeld des Kinostarts viel Trubel. In 100 deutschen Städten finden Eventvorführungen statt…
Richtig. Da kommen Menschen aller Couleur zusammen – Umweltschützer, Handwerker, Menschenrechtler – und diskutieren vor und nach dem Film ihre Anliegen. Dabei soll ein Netzwerk entstehen, das auch aktiv bleibt, wenn der Film im Kino gelaufen ist.
Ihr Film propagiert eine dezentrale Stromversorgung der Menschen, vor allem mit Solarstrom. Was halten Sie von dem Desertec-Projekt, das unter Beteiligung großer Konzerne über ein Hochspannungsnetz ganz Europa und Nordafrika mit Ökostrom versorgen soll?
Für mich ist das der rührende Versuch der Großindustrie, sich an die Spitze der neuen Technologien zu stellen, die sie bislang mit allen Mitteln bekämpft hat. Desertec würde die zentralen Strukturen erhalten und höchstens zum Teil das Klimaproblem lösen. Nicht aber das Gerechtigkeitsproblem. Mir kann doch keiner erzählen, dass die auch Länder wie Mali mit Strom versorgen.





