Fast die Hälfte aller Medizinstudenten sehen sich während ihrer Ausbildung dazu genötigt, gegen ihr ethisches Verständnis zu handeln, berichtet das “British Medical Journal”. Zwei Drittel der angehenden Ärzte schildern zudem, bereits Zeugen von “unethischen” Verhaltensweisen der ausbildenden Mediziner geworden zu sein. Der Bericht stützt sich auf eine Umfrage unter hundert Medizinstudenten der Universität Toronto.
Zu den Situationen, die die Studenten als problematisch beurteilten, gehörten beispielsweise Untersuchungen zu reinen Übungszwecken und ohne das Einverständnis der Patienten. Außerdem berichteten die Studenten, die sich am Ende ihrer Ausbildung befanden, dass die ihnen zugeteilten Aufgaben häufig über ihre Kapazitäten hinausgingen. Zudem mussten sie sich an Therapien beteiligen, die ihrer Meinung nach nicht den medizinischen Standards entsprachen und damit nicht vertretbar seien.
Experten gehen davon aus, dass die Ergebnisse der Studie zumindest teilweise auf die Situation in anderen Ländern übertragbar sind. In einem begleitenden Artikel fordert Len Doyal, Ethikprofessor an der “School of Medicin” in London, den Missbrauch von Patienten und Studenten in der Medizinerausbildung zu verhindern. “Nur so kann erreicht werden, dass die heutigen Medizinstudenten auf ihren Beruf stolz sind und nicht frustriert werden”, schreibt Doyal.
Irina Lorenz-Meyer





