Deutsche Ärzte haben ein bundesweites Melderegister für Narkosen gefordert. Bei Bluttransfusionen müsse zum Beispiel auch jede kleine Unverträglichkeit gemeldet werden, sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie, Eberhard Götz, am Mittwoch in Nürnberg. Auf der Jahrestagung der Gesellschaft diskutieren seit Mittwoch rund 3500 Ärzte und Pflegekräfte neue Methoden im Bereich Narkose.
Wir wissen nicht einmal, wie viele Narkosen in Deutschland jährlich vorgenommen werden – geschweige denn können wir eine Aussage machen über die Zahl der Zwischenfälle, kritisierte der Mediziner. Das Gesundheitsministerium sei gefordert, hier endlich Abhilfe zu schaffen. Eine Statistik über die unterschiedlichen Narkosearten bei verschiedenen Krankheitsbildern und Patientengruppen sowie eventuelle Komplikationen könne wichtige Hinweise zur Verbesserung der Narkose- Verfahren sowie der Vor- und Nachbehandlung geben.
Nach Schätzungen der Gesellschaft muss sich jeder Deutsche im Schnitt in etwa alle zehn Jahre einmal einer Narkose unterziehen.
Derzeit existierten umfassende Zahlen über Komplikationen bei Narkosen nur aus den angelsächsischen Ländern. Die Daten seien aber wegen der vergleichbaren medizinischen Versorgung in den USA und in Großbritannien auch auf Deutschland übertragbar. “Die Zahl der tödlichen Zwischenfälle ist danach in den letzten Jahren drastisch zurückgegangen”, erläutert Götz.
Vor fünf Jahren wurde noch ein Todesfall auf etwa 50.000 bis 100.000 Narkosen gezählt. Heute sei es ein Todesfall auf 250.000 Narkosen. “Das Risiko ist gesunken – aber nicht in erster Linie wegen besserer Narkoseverfahren”, betonte der Anästhesist. Grund sei vielmehr die wesentlich verbesserte Vorbereitung vor der Narkose und die engmaschigere Überwachung der Patienten während des Narkoseschlafes.
Der Direktor der Klinik für Anästhesiologie der Universität Münster, Hugo Van Aken, unterstrich dabei die Notwendigkeit einer individuellen Narkose-Planung mit dem Patienten zusammen. “Die Narkose von der Stange gibt es nicht”, sagte Van Aken. Die Narkose beschränke sich seit langem nicht mehr auf das Ausschalten von Schmerzen und Bewusstsein. Vielmehr gehe es unter anderem auch darum, Stresshormone zu neutralisieren. Diese werden bei den Schnitten des Chirurgen auch in tiefster Narkose ausgeschüttet. Wichtig sei auch das persönliche Gespräch vorab. Etwa könne regelmäßiger Alkoholkonsum die Wirkung der Narkose verringern. Auch ängstliche Patienten brauchten gelegentlich mehr Narkosemittel als robustere Naturen.
dpa





